Grünes Gewissen
Der Trend geht zum Miet-Weihnachtsbaum

Grüner Weihnachtsbaum und grünes Gewissen: Ein kanadisches Start-up vermietet Weihnachtsbäume. Der Neu-Unternehmer Brad Major bringt Douglasien samt Wurzelwerk ins Wohnzimmer und holt sie nach dem Fest wieder ab. Auf dass sie 500 Jahre alt werden.
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OTTAWA. Brad Major hatte am vergangenen Wochenende einen kräftezehrenden Job: 120 Haushalten in Vancouver brachte er einen Weihnachtsbaum vorbei. Besonderheit: Die Douglasien kommen samt dicken Wurzelballen. „So ein Topf mit Baum ist bis zu 35 Kilogramm schwer“, sagt Major.

Der Kanadier stemmt die Last gleich doppelt: Denn Anfang Januar fährt er die Tour mit seinem Dutzend Helfern erneut – um die Christbäume nach den Festtagen wieder abzuholen. Majors Bäume enden nicht auf der Deponie oder im Schredder. Sie leben weiter, erneut eingepflanzt. Carbonsync Christmas, Majors kleine Firma in der Nähe von Vancouver, will mit „Miet-Weihnachtsbäumen“ beim Klimaschutz helfen.

Grüne Weihnachten sind in

„Wir sind auf starkes Interesse gestoßen“, sagt der 33-jährige Unternehmer, der als Hauptberuf Feuerwehrmann angibt. „Die Menschen sehnen sich danach, etwas für die Umwelt zu tun und ihr Verhalten zu ändern. Sie sind froh, dass sie mit dem Weihnachtsbaum einen Beitrag leisten können.“ Da mag Bing Crosby von einer „White Christmas“ träumen, im Wohnzimmer wird „grüne Weihnacht“ gefeiert.

Majors Liebe zu Bäumen kommt nicht von ungefähr: Er studierte erst Forstwirtschaft in Vancouver und kämpfte später gegen Waldbrände als Mitglied der Feuerwehr von Burnaby, einer Vorstadt Vancouvers. Major ist zudem ein zertifizierter „Arborist“, ein Baumpfleger, der sich in Vancouvers Parks und auch in Privatgärten um das Wohl der Pflanzen kümmert.

Die Idee, zu Weihnachten einen Baum mit Wurzeln zu kaufen und ihn danach im eigenen Garten einzupflanzen, ist nicht neu. Neu ist aber das Geschäftsmodell mit dem Motiv Umweltschutz.

Major will nicht tatenlos zusehen, wie Jahr für Jahr kanadaweit 34 Millionen Nadelbäume in der Vorweihnachtszeit gefällt werden, dann einige Wochen in Wohnzimmern Glanz verbreiten, um am Ende gehäckselt und zu Biotreibstoff verarbeitet, verbrannt oder – in den meisten Fällen – schlicht auf einer Deponie entsorgt zu werden. „Die Bäume wachsen sechs bis zwölf Jahre lang. Dann kommt ein Weihnachtsfest und sie landen auf der Müllhalde“, sagt Major. „Das ist eine unglaubliche Verschwendung einer wunderbaren Ressource.“

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