Handelsblatt-Roundtable
Verdient Brasiliens Biosprit das Öko-Siegel?

Biosprit ist nicht gleich Biosprit – und wenn es nachhaltige Biokraftstoffe gibt, dann kommen sie vor allem aus Brasilien. Das sind die Kernaussagen des Handelsblatt-Roundtable zum Thema „Bioethanol“ am Rande der Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage in Köln. Doch verdient Brasiliens Biosprit wirklich das Öko-Siegel?

KÖLN. „Es ist völlig unstrittig, dass Zuckerrohr die am besten geeignete Pflanze zur Produktion von Biotreibstoffen ist“, sagte Stephan Reimelt, Vorstand des Essener Industriedienstleisters MAN Ferrostaal. Norbert Schmitz, Partner der Wiesbadener Unternehmensberatung Méo Consulting, fasst die Debatte um die umstrittenen Biokraftstoffe so zusammen: „Fragt man, mit welcher Pflanze sich derzeit am nachhaltigsten Energie produzieren lässt, dann ist das Zuckerrohr; fragt man, in welchem Land sich am besten produzieren lässt, dann ist das Brasilien, und fragt man, wer bei der Herstellung von Ethanol die beste Technologie hat, dann ist das ebenfalls Brasilien“.

Selbst Astrid Klug, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, betont, dass Brasilien es viel leichter falle, die Nachhaltigkeitskriterien zu erfüllen als andere Länder. „Brasiliens Bioethanol ist viel nachhaltiger als etwa Palmöl aus Indonesien“, sagte Klug.

Biokraftstoffe aus dem Ausland sind in Europa schwer in Verruf geraten. Sie werden für die Zerstörung des Regenwaldes und für den Anstieg der Lebensmittelpreise verantwortlich gemacht. Selbst ihre Klimabilanz ist umstritten. Noch vor zwei Jahren galten sie als saubere und klimaschonende Alternative zum Erdöl.

Nicht zuletzt die polemisch geführte Debatte setzt die Politik unter Druck. Die EU und Deutschland pochen auf einen Nachweis, dass die Produktion von Ethanol nicht auf Kosten des Regenwaldes und des Klimas erfolgt. Im Mai unterzeichneten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brasiliens Präsident Lula da Silva ein Energieabkommen, das auch Kooperation bei Biokraftstoffen vorsieht. Die Arbeitsinitiative „Agrobusiness“ erarbeitet derzeit eindeutige Kriterien für die Zertifizierung von Biokraftstoffen.

Einig sind sich alle Teilnehmer des Roundtables, dass es eine einheitliche Zertifizierung für Biotreibstoffe geben muss, um den globalen Handel voranzutreiben. „Eine einheitliche Zertifizierung ist der richtige Weg. Wie auch immer die Kriterien schließlich festgelegt werden, wir können damit leben“, sagte der deutsch-brasilianische Investor Peter Gross. Das Land biete das beste Umfeld, um nachhaltig zu produzieren.

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