Hauchdünne Solarzellen
Das Haus wird zum Kraftwerk

Es mutet futuristisch an: Transparente Solarzellen bedecken Fenster, Fassade und Dach und machen ein gesamtes Gebäude zu einem Kraftwerk. Strom aus allen Richtungen – diese Vision wollen der Energiekonzern Eon und der Fensterbauer Schüco mit Hilfe neuartiger Dünnschicht-Solarzellen in die Realität umsetzen.

KÖLN. Dazu planen die Unternehmen Investitionen von 100 Millionen Euro. Eine eigens gegründete Gesellschaft unter dem Namen Malibu soll die Technik weiterentwickeln und ab Mitte 2008 mit der Serienproduktion beginnen. Der US-Anlagenbauer Applied Materials soll dafür eine hochmoderne Fabrik in Sachsen-Anhalt bauen.

Der Einbau in Fassaden und Fenster eröffnet neue Geschäftsmöglichkeiten. Bislang sind nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft 95 Prozent der Solarmodule auf Dächern montiert. „Die Dünnschicht-Technologie hat das Potenzial, bei einem vernünftigen Kosten-Nutzen-Verhältnis fester Bestandteil der Gebäudefassade zu werden“, sagt Schüco-Geschäftsführer Dirk Hindrichs. Er ist sich sicher, dass Solaranlagen bald zum natürlichen Erscheinungsbild eines Gebäudes gehören werden. Schüco will als Spezialist für den Einbau von Photovoltaik in Metall-Glas-Fassaden vor allem bei Aufträgen für Renovierungsarbeiten und Neubauten zulegen.

Der Bedarf ist da, und die Branche boomt. Die Photovoltaikbranche konnte nach Verbandsangaben ihren Umsatz allein im vergangenen Jahr von drei auf knapp 3,7 Milliarden Euro steigern, davon erwirtschaftete die Branche etwa zehn Prozent mit Dünnschicht-Zellen. Marktbeobachter gehen von weiter steigendem Marktanteil aus. „Insgesamt wird die Dünnschicht-Technologie an Bedeutung gewinnen, auch wenn noch nicht ausgemacht ist, welche spezielle Technik sich am Ende durchsetzen wird“, sagt Klaus Vajen, Professor für Solarthermie an der Universität Kassel.

Das Malibu-Projekt reiht sich ein in eine neue strategische Ausrichtung der Solarbranche, die eine lange Zeit als unterlegene Technik wiederentdeckt hat. „Die Industrie hat umgeschwenkt. Auch die großen Player wie Ersol investieren in die Dünnschicht-Technologie“, sagt Marco Günther, Analyst bei der Hamburger Sparkasse. „Vielleicht stellt sich das als Schnellschuss heraus, weil sich der Rohstoffengpass im nächsten Jahr lockern wird. Andererseits sind Dünnschicht-Module trotz der geringen Wirkungsgrade die kostengünstigere Variante.“

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