Hitzeglocke
Ganz Grönland taut an

Der Sommer nagt alljährlich auch am Eisschild Grönlands. Doch noch nie in den vergangenen drei Jahrzehnten war das Ausmaß der Eisschmelze so dramatisch wie jetzt, hat die Nasa ermittelt.
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WashingtonFast die gesamte Oberfläche des grönländischen Eisschildes ist Mitte Juli zumindest angetaut. Das hat die US-Weltraumagentur Nasa anhand von Satellitenbildern ermittelt. Das Ausmaß der Schmelze sei größer als in all den 30 Jahren, in denen die Schmelze mit Satelliten beobachtet werde, heißt es in der Untersuchung des zur Nasa gehördenden Jet Propulsion Laboratory (JPL) im kalifornischen Pasadena.

JPL-Forscher Son Nghiem hatte Radardaten des „Oceansat-2“-Satelliten der indischen Raumfahrtagentur ISRO ausgewertet. „Das war so außergewöhnlich, dass ich das Ergebnis zuerst infrage gestellt habe: War das real oder ein Datenfehler?“ Die Ergebnisse wurden mit Messgerätern an Bord weiterer Satelliten überprüft, dabei bestätigten sich die Ergebnisse.

In einem durchschnittlichen Sommer schmilzt das Eis natürlicherweise etwa auf der halben Oberfläche Grönlands. In großer Höhe friert der größte Anteil des Wasser aber schnell wieder. Nahe der Küste wird einiges Wasser von Eisbarrieren zurückgehalten, etwas Wasser fließt in den Ozean.

„Aber in diesem Jahr hat das Schmelzen an der Oberfläche einen dramatischen Sprung gemacht“, so der Forscher. Den Satellitendaten zufolge schmolz das Eis an einem nicht genau bestimmten Zeitpunkt um den 12. Juli herum auf etwa 97 Prozent der Fläche.

Das extrem starke Schmelzen könnte seine Ursache in einer ungewöhnlich warmen Luftschicht haben, einer Art Hitzeglocke. Seit Mai gab es mehrere davon, jede stärker als die vorherige.

Die zuletzt beobachtete baute sich am 8. Juli auf, am 16. Juli begann sie sich aufzulösen. Ob die Schmelze einen Einfluss auf das Volumen des Eisverlustes Grönlands haben wird, haben die Wissenschaftler noch nicht ermittelt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Im obigen Artikel fehlt die Information, dass das Spurengas CO2 schuld an der Eisschmelze ist. Offenbar ist es wohl die warme Luft in ihrer Gesamtheit, welche die Eisschmelze verursacht und nicht der magere CO2-Spurengasanteil von 0,039 Vol% (390 ppm). Eigentlich keine neuartige Erkenntnis und hat es zu Zeiten der Wikinger auch schon mal gegeben. Das irdische Klima wird sich so lange immer wieder ändern, wie die Erde besteht. In Abhängigkeit der sich ändernden solaren und geologischen Gegebenheiten und unabhängig von dem so geschmähten CO2.

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