Interview mit Andreas Knörzer, Bankexperte
„Kein Geld in Kernkraft“

Bankexperte Andreas Knörzer spricht mit dem Handelsblatt über Anlagestrategien für ökologische Investments, unattraktive Branchen und die zweischneidige Rolle der Kernkraft. Für ihn steht fest: „Wenn man langfristig denkt, ist es nie zu spät.“

HANDELSBLATT: Herr Knörzer, der Klimawandel birgt für Investoren einerseits Risiken, andererseits verheißen vor allem die Gegenstrategien auch ökonomische Chancen. In welchen Feldern wird das besonders deutlich?

Andreas Knörzer: Grundsätzlich gilt, dass jede Branche vom Klimawandel, von knapper werdenden Rohstoffen, und auch vom Wandel der politischen Rahmenbedingungen betroffen sein wird – die einen freilich mehr, andere weniger. Manche Unternehmen werden davon profitieren, die anderen darunter leiden. Aber ich bin mir sicher, dass alle Firmen und alle Branchen, die mit Energie und Rohstoffen effizient umgehen, zu den Gewinnern zählen werden. So wie natürlich auch diejenigen, die mit erneuerbaren Energien ihr Geld verdienen.

Das heißt: Man sollte am besten Solar- und Windaktien kaufen?

Nicht nur. Wir denken derzeit konservativ, und setzen auch auf Unternehmen, die mit der guten alten Wasserkraft Geld verdienen. Aber man darf das Thema nicht so eng eingrenzen; auch andere klassische Unternehmen der „Old Economy“, bei denen man es als Laie nicht unbedingt sofort erwarten würde, bieten große Chancen. Wir haben zum Beispiel ein Unternehmen im Portfolio, das Küchengeräte anbietet, die 60 Prozent weniger Strom verbrauchen als die Produkte der Mitbewerber. Solchen Unternehmen gehört die Zukunft.

Entsprechend sollte man Branchen und Unternehmen, deren Wohl von niedrigen Energiepreisen abhängt, als Investor meiden?

Es gibt einige Branchen, die vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen und steigender Energiepreise langfristig wenig attraktiv sind. Denn mitunter ist nicht erkennbar, wie die Firmen mit den sich ändernden Rahmenbedingungen umzugehen gedenken. Die Tourismusbranche gehört zum Beispiel dazu, mitsamt den Flugzeugbauern, den Airlines und auch der Automobilindustrie. Und dann natürlich noch all jene, die mit fossilen Energien Geschäfte machen. Diese Unternehmen haben ein schlechtes Rating, wenn man hinterfragt, wie sie künftig ihre Wachstumsziele erreichen wollen. Natürlich müssen nicht grundsätzlich alle Unternehmen aus diesen Bereichen unattraktiv sein, aber man muss schon sehr genau hinsehen.

Andererseits haben einige Profiteure der Klimadiskussion in den vergangenen Monaten bereits massive Wertzuwächse erzielt. Wenn man sich zum Beispiel die Aktien einiger Solarunternehmen anschaut, muss man sich fragen: Ist es da nicht längst zu spät, um als Investor einzusteigen.

Wenn man langfristig denkt, ist es nie zu spät. Ressourcen und Energie werden die Megatrends der nächsten Jahre und Jahrzehnte sein. Klar, wer kurzfristig spekulieren will, sollte derzeit nicht unbedingt die Solarwerte kaufen, die schon mächtig zugelegt haben.

Sind Unternehmen, die mit Umwelttechnik ihr Geld verdienen grundsätzlich Gewinner der Klimadiskussion?

Die Firmen müssen auch gut im Exportieren sein, denn es besteht weltweit eine riesige Nachfrage nach sauberer Energie, nach Technologien, die Wasser sparen, und nach Ingenieurdienstleistungen. Da wird es nicht unbedingt reichen, nur das richtige Produkt zu haben, man wird auch die Auslandsmärkte erreichen müssen.

Können nicht auch Unternehmen, die Atomkraft verkaufen, von der Klimadiskussion profitieren?

Man könnte es meinen. Dennoch verzichten wir in unseren Publikumsfonds auf entsprechende Unternehmen, weil die meisten Kunden, die ökologisch anlegen wollen, auch gegen die Kernenergie sind. Zudem haben auch aus unideologischer Sicht eines Analysten Kernkraftwerke wenig Charme: Die Anlagen müssen 30 Jahre laufen, um rentabel zu werden. Möglicherweise aber werden wir bereits in 10 bis 15 Jahren Techniken haben, die uns billigere Energie liefern werden, als die Kernkraftwerke. Dann sind die Gelder hier schlecht angelegt. Wir glauben daher, dass die Geldanlage in Kerntechnik auch rein finanziell ein schlechtes Investment ist.

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