Interview
„Wir wollen die Emissionen der Kohlekraftwerke ausbalancieren“

Fritz Vahrenholt ist Vorsitzender der Geschäftsführung von RWE Innogy. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Investionen in erneuerbare Energien, Chancen und Zukunfsaussichten des Energie-Geschäfts.
  • 0

Die Finanzkrise bremst Investitionen in erneuerbare Energien. Muss auch RWE zurückrudern?

Als Tochtergesellschaft von RWE können wir auf die Finanzströme des Mutterkonzerns zurückgreifen. Wir sind also nicht auf Kredite angewiesen und können den Ausbau der erneuerbaren Energien aus dem eigenen Kapitalstock finanzieren. RWE Innogy nutzt dabei die Erträge, die RWE aus Kohle und Kernkraft generiert und transferiert sie in die erneuerbaren Energien.

Wo sehen Sie Chancen?

Wegen der gegenwärtig schlechten Finanzierungsbedingungen können Projektentwickler ihre Projekte nicht mehr selbst stemmen. Selbst bestehende Windparks stehen vereinzelt zum Verkauf. Uns wurden im vergangenen Jahr mehrere Windparks in Spanien angeboten, die wir dann auch übernommen haben.

Nach welchen Kriterien gehen Sie dabei vor?

Jedes Land muss für sich betrachtet werden. Erst wenn die vorherrschenden Rahmenbedingungen abgeklärt sind, entscheiden wir, welche Energiequelle wir für die rentabelste halten. In Deutschland sehen wir zum Beispiel bei Biomasse und Biogas und in der Offshore-Windenergie die größten Potenziale. In Osteuropa werden wir verstärkt in die Wind- und Wasserkraft investieren. Vor allem in Südosteuropa sind viele Wasserläufe noch nicht genutzt. In Deutschland ist die Wasserkraft dagegen weitestgehend ausgereizt.

Bringen die Erneuerbaren derzeit ausreichend Profit?

Wir haben als Kapitalgesellschaft die Rendite im Blick, aber auch die CO2-Bilanz. Die heimische Braunkohle, die RWE überwiegend in ihren Kraftwerken nutzt, macht uns einerseits unabhängiger von teuren Öl- und Gasimporten aus dem Ausland, ist aber andererseits ein CO2-intensiver Energieträger. Ab 2013 müssen wir für diese CO2-Last deutlich mehr bezahlen als bisher. Dann müssen nämlich die Zertifikate ersteigert werden. Auch aus diesem Grund wollen wir die erneuerbaren Energien ausbauen und so die Emissionen der Kohlekraftwerke ausbalancieren.

Die Fragen stellte Ina Jahn.

Kommentare zu " Interview: „Wir wollen die Emissionen der Kohlekraftwerke ausbalancieren“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%