Invasive Arten
Teure Eindringlinge

Invasive Arten können natürliche und künstliche Ökosysteme zerstören, Nahrungsketten aus dem Gleichgewicht bringen und die Dienstleistungen der Ökosysteme für den Menschen einschränken. Jetzt haben Ökologen erstmals die Kosten dieser Schäden beziffert.
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HB DÜSSELDORF. Arten, die in für sie fremde Lebensräume eindringen, können dort für große Probleme sorgen – und erhebliche Kosten verursachen. In einer Studie für die Online-Ausgabe des US-Fachjournals Frontiers in Ecology and the Environment haben Ökologen jetzt jene Arten aufgelistet, die die Umwelt am meisten schädigen und deren Bekämpfung am teuersten ist.

„Die Auswirkungen vieler Eindringlinge bleiben unbemerkt“, so die Leiterin der Studie, Montserrat Vilà von der Estación Biológica de Doñana im spanischen Sevilla. „Die Anwesenheit - und oft auch die Dominanz – von zugewanderten Arten kann viele ökologische Auswirkungen haben. Die Veränderungen können unumkehrbar und so bedeutend sein wie jene durch den Klimawandel oder durch Umweltverschmutzungen.“

Vilà und ihre Kollegen präsentieren nun Ergebnisse für über 10 000 gebietsfremde Arten, deren Existenz in Europa nachgewiesen ist. Dazu nutzten sie Daten aus dem Forschungsprojekt DAISIE (Delivering Alien Invasive Species Inventories for Europe), das von der EU 2005 in Auftrag gegeben wurde, um gebietsfremde Arten sowie deren ökologische und ökonomische Auswirkungen quer über Europa zu erfassen.

In einer eigenen Liste führen die Wissenschaftler jene 100 gebietsfremde Arten auf, die die größten Auswirkungen auf ihre neuen Lebensräume haben. Unter den Top-Eindringlingen sind die Kanadagans, die Wandermuschel oder die Nutria. „Viele Landwirbeltiere sind Räuber, deren Einschleppung einen Dominoeffekt in der Nahrungskette auslöst“, sagt Vilà. Den größten finanziellen Schaden richten allerdings Wirbellose wie Insekten oder Spinnen an. Die Autoren schätzen die jährlichen Verluste durch fremde Gliederfüßer (zu denen Krebstiere, Spinnen und Insekten gehören) in der Landwirtschaft Großbritanniens auf 2,8 Milliarden Euro.

In Deutschland verursachen 20 der wichtigsten gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten jährlich Kosten von etwa 156 Millionen Euro, so grobe Schätzungen des Umweltbundesamtes von 2003. Auch im Bereich der Fischereiwirtschaft fehlt es noch an ganzheitlichen Kosten-Nutzen-Analysen. Zum Beispiel hat die sporadische Massenvermehrung der Chinesischen Wollhandkrabbe in deutschen Gewässern seit 1912 zu Schäden zwischen 73 und 85 Millionen Euro geführt. Dem gegenüber stehen Verkaufserlöse aus dem Export der Tiere von drei bis fünf Millionen Euro zwischen 1993 und 2004.

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