Kälteanlagen
Sonnenwärme verschafft Kühlung

Der Markt für solargespeiste Kälteanlagen steckt noch in den Kinderschuhen – obwohl sowohl der Bedarf, als auch geeignete Einsatzmöglichkeiten vorhanden wären. Forscher sehen daher großes Potential in dieser Technologie und treiben dementsprechend die Weiterentwicklung voran.

KÖLN. Schon oft hat Ahmet Lokurlu die Skepsis in den Augen seiner Gesprächspartner gesehen, wenn er ihnen von seinem Unternehmen berichtete. Der Geschäftsführer der Solitem GmbH in Aachen hat sogar Verständnis dafür: "Man muss sich nur mal vorstellen, was passieren würde, wenn in den Sommermonaten die Klimaanlage eines Hotels ausfällt, und Hunderte von Gästen ohne Kühlung dastünden." Doch Lokurlu überwindet diese Skepsis mit einer einfachen Rechnung: "Im Sommer gibt es viel Sonne und einen hohen Bedarf an Klimatisierung - was liegt da näher, als Klimaanlagen mit Solarwärme anzutreiben?"

Lokurlus Unternehmen ist nicht das einzige, das die herkömmlichen stromfressenden Kühlungsverfahren durch solare Klimatisierung ersetzen will. Doch noch ist der Markt überschaubar: Die Anzahl der Anlagen ist niedrig, weil die Kosten des Kühlens durch Solarwärme in der Regel noch hoch sind. Die Hersteller aber sehen großes Potential.

Zwar seien solare Kühlungsverfahren genauso leistungsfähig wie herkömmliche Klimaanlagen, sagt Edo Wiemken vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg. Aber der Experte für solare Kühlung stellt auch fest: "Die Preise müssen deutlich runter." Noch mindestens drei Jahre wird es seiner Meinung nach dauern, bis solare Klimasysteme auch wirtschaftlich konkurrenzfähig seien. Zwei Dinge sind es, die laut Wiemken die Kosten in die Höhe treiben: Zum einen die teuren Sonnenkollektoren, zum anderen die aufwändigen Planungen, die vor dem Einsatz der Systeme notwendig seien. "Es fehlt hier an standardisierten Verfahren, noch muss man für jeden Einzelfall anders planen", sagt er.

Kein Wunder: Das ISE geht davon aus, dass es in Europa nur rund 100 solare Kühlsysteme gibt. An genauem Zahlenmaterial für die junge Branche mangelt es noch. Nach Schätzung des Fraunhofer-Institutes stehen 30 Geräte in Deutschland, zehn davon an Universitäten oder Forschungsinstituten. Zwar fördert das Bundesumweltministerium mit seinem Programm "Solarthermie 2000 Plus" die Entwicklung von Anlagen aller Art, die als Antrieb Sonnenwärme verwenden. Aber angesichts der bisherigen Marktentwicklung fordert ISE-Wissenschaftler Wiemken: "Wir brauchen ein spezielles Anreizprogramm für solare Kühlung."

Solitem-Geschäftsführer Lokurlu will auch ohne staatliche Unterstützung solare Klimasysteme günstiger machen. Seine Neuentwicklung: Statt der üblichen Flachoder Röhrenkollektoren setzt sein Unternehmen so genannte Parabolrinnen ein. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Sonnenlicht in hochkonzentrierter Form absorbieren. Das bedeutet: Das Wasser, das unter den Kollektoren hindurchfließt und als Träger für die gewonnene Wärme dient, erhitzt sich auf bis zu 200 Grad und treibt eine Kältemaschine an - bei herkömmlichen Kollektoren sind nur etwa 130 Grad möglich. "Auf diese Weise können wir mit der gleichen Anzahl an Kollektoren die dreifache Menge an Kälte produzieren", sagt Lokurlu.

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