Kalk wird zur Reinigung von Abgasen verwendet
Spezialmilch macht Rauchgase unschädlich

Fast 95 Prozent aller Verbrennungsanlagen in Europa arbeiten mit Kalkprodukten, um die Abgase zu reinigen. Der Energieversorger EnBW arbeitet an einem effizienten Verfahren, mit dem das Treibhausgas Kohlendioxid mit Kalk abgesondert und verflüssigt werden könnte.

DÜSSELDORF. Salopp gesprochen haben Kneipenwirte und Kraftwerksbetreiber gerade ein ähnliches Problem: Der Gesetzgeber fordert weitgehend Rauchfreiheit. Freilich: Der Vergleich hinkt. Denn während manche Kettenraucher noch um ihr Gewohnheitsrecht kämpfen, haben Abgase aus Kraftwerken und Verbrennungsanlagen längst einen umfangreichen Reinigungsprozess hinter sich.

Das ist auch nötig: Bei der Verbrennung von Kohle und Holz entsteht unter anderem Schwefeldioxid, das die Schleimhäute reizt und zu Gewebsveränderungen führen kann. „Abgase ungefiltert in die Luft zu pusten, wäre ein Rückschritt in die Sechzigerjahre und völlig unverantwortlich“, sagt Andreas Wecker, Experte beim Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie in Köln. Seine Branche hilft kräftig mit beim Reinemachen.

In großen Mengen wird Kalk und Kalkstein zur Reinigung von Verbrennungsabgasen verwendet. Allein im letzten Jahr waren es in Deutschland rund 2,7 Mill. Tonnen – und damit rund ein Zehntel der Gesamtproduktionsmenge. 95 Prozent aller Verbrennungsanlagen in Europa arbeiten mit Kalkprodukten.

„Zum Kalk existiert in diesem Zusammenhang keine Alternative, weil die einzig vergleichbaren Verfahren mit Natrium zu teuer sind“, argumentiert Andreas Wecker. Mehrere unterschiedliche Reinigungsverfahren kommen in Kraftwerken und Verbrennungsanlagen zum Einsatz. Beim sogenannten Trockenverfahren wird Kalkmilch fein zerstäubt mit dem etwa 130 bis 150 Grad heißen Rauchgas in Berührung gebracht. Der Wasseranteil der Kalkmilch verdampft, während der Kalk die Abgasinhaltsstoffe bindet.

Ähnlich läuft das Nassverfahren ab, bei dem das Gas mit einem Gemisch aus Wasser und Kalkstein gekühlt und gereinigt wird. Vornehmlich in kleineren Verbrennungsanlagen indes wird beim Additiv-Verfahren zusätzlich trockener Kalk oder Kalksteinmehl unmittelbar zum Brennstoff in den Kessel geblasen. Ein Großteil des Schwefeldioxids verbleibt so in der Verbrennungsasche. Bei diesen Reinigungsmethoden entsteht Gips, den die Baustoffindustrie den Kraftwerken gerne abnimmt.

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