Energiewende
Solarbranche kritisiert EEG Novelle

600 Megawatt Leistung will die Regierung pro Jahr ausschreiben – Projekte, die in ihrer Bewerbung die geringste Förderung veranschlagen, bekommen den Zuschlag. Der Rest bleibt außen vor. Die Branche sieht das skeptisch.
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KölnWie gelingt die Energiewende? Mehr Wettbewerb, lautet die Antwort der Bundesregierung. Anfang Juni hat sie eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen. Danach soll ab 2017 die Vergütung für Öko-Energie nicht mehr staatlich festgelegt, sondern durch Ausschreibungen ermittelt werden. Die Vorgabe soll auch für große Photovoltaikanlagen ab 750 Kilowatt gelten – auf Freiflächen wie auf Gebäuden.

600 Megawatt Leistung will die Regierung pro Jahr ausschreiben – diejenigen Projekte, die in ihrer Bewerbung die geringste Förderung veranschlagen, bekommen den Zuschlag. Der Rest bleibt außen vor. Die Solarbranche sieht das Vorhaben skeptisch. „Die Teilnahme an einer Ausschreibung ist eine große Hürde“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft. „Bei ungewissem Ausgang werden Unternehmen, die größere Solaranlagen auf ihren Werkhallen errichten wollen, den Plan gleich aufgeben.“

Die Deckelung auf 600 Megawatt heißt auch: Das Gros des Zubaus müssen künftig kleinere Anlagen leisten. Sie bleiben von der Ausschreibung ausgenommen und werden weiter mittels fester Vergütungssätze gefördert. Aufgrund knapp bemessener Fördersätze und der teilweisen Belastung gewerblicher solarer Selbstversorger mit der EEG-Umlage befürchtet Körnig, dass die Regierung das selbst gesteckte Jahresziel von 2,5 Gigawatt Zubau verfehlen wird. 2015 wurden nur 1,5 Gigawatt neu installiert.

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hält mehr für nötig, damit die Energiewende gelingt. Sollen bis 2050 die Erneuerbaren den deutschen Energiebedarf überwiegend decken, müssten pro Jahr Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von vier bis fünf Gigawatt zusätzlich entstehen.

Thomas Mersch
Thomas Mersch
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Energiewende: Solarbranche kritisiert EEG Novelle"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
    Danke

  • Aktuell betragen die Subventionen für "Erneuerbare Energien" EEG Vergütungen, Netzausbau, zusätzliche Regelenergie, Kapazitätsbereitstellung, EKF Fonds und subventionierte KfW Darlehen eher 40 denn 30 Mrd. €/Jahr, oder etwa 1000 €/Haushalt.

    Da die Regierung auch andere sehr teure Geistesblitze hat, Umvolkung, Alimentierung südeuropäischer Staaten, hat anscheinend der Restverstand geboten die Kosten für den Umbau der Stromversorgung gem. ökoreligiöser Visionen langsamer anzugehen.

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