Erneuerbare Energien
Harter Wettkampf um die größte Windturbine

Die Windradbauer hoffen auf einen neuen Boom bei Windkraft auf hoher See. Doch Hersteller wie Siemens, Senvion oder MHI Vestas stehen dabei unter einem hohen Innovationsdruck. Nur wer diesem standhält, überlebt.
  • 4

DüsseldorfErnster Blick, heftiges Kopfschütteln und ein knappes „no way“ – für Nordex-Chef Lars Bondo Krogsgaard ist Offshore-Windenergie nichts weiter als ein kostspieliges Abenteuer. „Wir riskieren nicht die ganze Bude für ein Projekt“, pflegt der gebürtige Däne auf die Frage zu antworten, warum Deutschlands drittgrößter Hersteller von Windturbinen nur auf dem Festland aktiv ist.

Krogsgaard hat bei der Vorstellung, Windräder in den Meeresboden zu rammen, nur unkalkulierbare Risiken vor Augen. Michael Hannibal hingegen sieht auf hoher See enorme Chancen. Meerwindstrom sei auf dem Weg zu einer „nachhaltigen, sicheren und bezahlbaren Energiequelle für die Gesellschaft“, sagte der Leiter der Offshore-Windsparte bei Siemens dem Handelsblatt. Zwar musste gerade Siemens reichlich Lehrgeld bezahlen – die Münchener verbrannten wegen Pannen beim Netzanschluss rund eine Milliarde Euro auf hoher See. Doch nun könnte sich der Wagemut der Bayern allmählich auszahlen.

Die Kinderkrankheiten sind überwunden, die Technik ist ausgereifter, und der Preissturz verleiht der Industrie enormen Rückendwind. Die Marktforschungsfirma Make prophezeit, dass der Markt für Windenergie auf hoher See bis 2025 im Schnitt um 16 Prozent pro Jahr wachsen wird. Im Zentrum des Booms dürften dabei aber nicht mehr die Nord- und Ostsee stehen, wo bereits heute mehr als 830 Windräder teils höher als der Kölner Dom (157 Meter) aus dem Wasser ragen, sondern Märkte in Asien. Die Zukunft der Meerwindindustrie liegt demnach vor den Küsten Chinas, Indiens und Japans.

Bis jetzt ist Offshore-Windenergie allerdings eher eine europäische Veranstaltung. Mehr als 80 Prozent der Meerwindmühlen stehen in europäischen Gewässern. Nach dem Rekordjahr 2015 schrumpft hier aber der Markt – insbesondere weil Deutschland seine Ausbauziele um rund ein Viertel reduziert hat.

Stetiger Wind auf dem Meer

Martin Neubert schreckt das nicht ab. Der Chefstratege der Windsparte des dänischen Energieversorgers Dong hegt keinen Zweifel daran, dass Windenergie auf hoher See global vor dem Durchbruch steht. „Die technische Überlegenheit von Offshore-Wind ist unbestreitbar“, erklärt Neubert. Schließlich wehe der Wind über dem Meer stärker und stetiger als an Land. Und auf hoher See gebe es weder Platzprobleme noch protestierten Bürger gegen die Anlagen.

Dong plant, baut und betreibt Offshore-Windparks länger als jeder andere Anbieter im Markt. Die Geschäfte laufen famos. Allein von Januar bis Ende September dieses Jahres erwirtschaftete Dong mit seinen Meerwindmühlen einen Umsatz von mehr als 2,4 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) hat sich im selben Zeitraum sogar verdoppelt – auf 572 Millionen Euro. Damit Windparkbetreiber wie Dong, Vattenfall oder Eon weiterhin satte Margen einfahren, drücken sie überall die Kosten.

Von den tonnenschweren Stahlfundamenten, die wie Nägel in den Meeresboden gehämmert werden, über das Umspannwerk bis hin zu Wartung und Logistik: in allen Bereichen wird drastisch gespart und optimiert. Der zentrale Kostenhebel ist aber die Turbine. Die wichtigste Komponente jeder Windenergieanlage verschlingt fast 40 Prozent der Kosten. Turbinenbauer wie Senvion, MHI Vestas oder Siemens liefern sich daher einen harten Entwicklungswettbewerb.

„Der Innovationsdruck, immer neue, leistungsstärkere Turbinen zu produzieren, ist enorm“, sagte Carsten König dem Handelsblatt. Der Energieexperte der Unternehmensberatung Alix Partners weiß: Je größer die Anlagen sind, desto günstiger wird der Preis pro erzeugte Kilowattstunde Strom. Während in den bereits errichteten Offshore-Windparks Turbinen mit einer Leistung zwischen drei und sechs Megawatt verbaut wurden, arbeitet die Industrie nun an Anlagen mit einer Leistung von acht bis zehn Megawatt.

Kürzere Produktzyklen

„Die Zeit, in der sich eine Turbinengeneration amortisieren muss, wird immer kürzer. Gerade kleinere Hersteller können sich das langfristig nicht leisten“, sagt König. Der Grund: Kleinere Anbieter wie Senvion können ihre Vorlaufkosten auf viel weniger Turbinen umlegen als etwa der Branchenriese Siemens. Weil aber schon die Entwicklung eines Prototyps für eine Turbinengeneration mit 30 bis 40 Millionen Euro zu Buche schlägt, werden längst nicht alle Hersteller überleben.

König hält eine Konsolidierung für „sehr wahrscheinlich“. Denn spätestens ab 2017, wenn etwa der US-Konzern General Electric im französischen St. Nazaire seine neue Produktion hochfährt, werden wir „massive Überkapazitäten bei den Herstellern von Offshore-Windkraftanlagen sehen“, prophezeit König. Dabei gibt es jetzt schon zu viele Turbinen im Markt. An Pleiten, Übernahmen und neuen Partnerschaften führt daher wohl kein Weg vorbei.

Kommentare zu " Erneuerbare Energien: Harter Wettkampf um die größte Windturbine"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Natürlich haben wie Investoren noch am Morgen von Trumps Wahl sofort Kohle Aktien nachgekauft und natürlich Lizenzen. Die Schiffe werden das Zeug rund um die Welt fahren und die Dividenden werden steigen wie jetzt schon die Kurse,
    Gas Indien plus20% China plus30% das lacht das Finken-Herz.

  • @Holger Narrog
    Auch das Kapital wird von den sog. Erneuerbaren Energien wieder in Kohle, Gas, Uran und Oel Branche fließen. Die ersten haben bereits in der Nacht der Wahl ihr Aktien Portfolio entsprechend anders gewichtet. Das Kapital ist wieder in der Branche in der man ohne Subventionen einen Mehrwert für die Gesellschaft dieser Welt erwirtschaften kann. Mit Oel, Gas, Uran, Kohle! Und das ist gut so!
    Trump wird der Vorreiter sein und entweder Europa zieht nach oder wird noch schneller in den Mangel und Armut verfallen. Weil die Unternehmen/Industrie aus Europa in die USA übersiedeln werden. Was bleibt in Europa dann noch...Mangel und Armut!

  • Die Stromeinspeisung aus Windenergie erfolgt entsprechend der Launen des Wetters. Die Windstromeinspeisung in Deutschland schwankt zwischen nahe 0 und der Nennleistung der umweltschädlichen Monster. In einem Stromnetz müssen Nachfrage und Erzeugung in jedem Augenblick gleich sein. Es ist naheliegend das Windstrom im Netz nahezu wertlos ist. Die Meereswindmühlen künden den Fischen vom ökologischen Glauben der Deutschen und anderer Altindustrieländer einen praktischen Nutzen haben diese nicht.

    Mit der Wahl von Trump zum Präsidenten der USA ist es sehr wahrscheinlich dass die Subventionen für umweltschädliche Solar- und Windanlagen in den USA gekürzt, oder gestrichen werden. Die Windmühlen in Ländern wie China werden regelmässig mit CDM Zertifikaten subventioniert. Auch hier dürfte der Ausfall der USA Lücken hinterlassen.

    Insofern kann man den Beteiligten wünschen wenn sie sich eine nützliche Arbeit suchen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%