Klimaschutz in Paris
Obstanbau in der Großstadt

Der Gastgeber des letztjährigen Weltklimagipfels fühlt sich verpflichtet: Frankreichs Hauptstadt will die Emissionen von Treibhausgasen deutlich verringern – und setzt jetzt auch auf außergewöhnliche Maßnahmen.

Paris soll grüner werden. Die Stadtverwaltung sucht „les Parisculteurs“: Interessenten, die einen Teil der städtischen Flächen bewirtschaften wollen. 100 Hektar sollen bis 2020 neu bepflanzt werden, auf Dächern, an Fassaden oder auf Wiesen. Der Clou: Ein Drittel der Bepflanzung soll  der Nahrungsmittelproduktion dienen. Obst und Gemüse aus der Stadt für die Stadt.

Paris erhofft sich dadurch einen großen Effekt für den Klimaschutz: Die städtische Landwirtschaft vermeidet nicht nur Stunden, sondern Tage an Anlieferungszeiten, Treibgasemissionen werden vermindert, und wenn grüne Dächer die Sonnenstrahlungen aufnehmen, wird sogar der Betrieb an Klimaanlagen verringert.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo engagiert sich für die Begrünung ihrer Stadt. Schon ihr Vorgänger, Betrand Delanoë, war hier aktiv, doch Hidalgo geht noch weiter. Im September drängte sie beispielsweise den Verkehr mit einer entschlossenen Maßnahme weiter zurück: Sie schloss die Stadtautobahn rechts entlang der Seine.  Pendler stöhnen, doch Einheimische und Touristen wandeln erfreut am rechten Seineufer.

Paris folgt damit dem Beispiel vieler Städte in Nordeuropa. Und inzwischen wird die Politik auch von einer breiten Mehrheit getragen. Selbst die rechte Opposition, die sich einst solchen Schritten vehement entgegenstellte, sieht allmählich ein, dass die Verschmutzung in der Stadt verringert werden muss. Unternehmen freunden sich immer mehr mit den Fahrverboten an. Lieferungen erfolgen inzwischen frei Haus per Elektrofahrzeug.  Und die RATP, die öffentlichen Verkehrsbetriebe, beginnen ihre Busse mit Strom oder Gas zu betreiben.

Die Ergebnisse lassen sich sehen. Zwischen 2004 und 2014 sanken die Emissionen von Treibhausgasen um 9,2 Prozent oder 25,6 Millionen Tonnen, wie die Stadt im Juli mitteilte. Die Studie ist dabei breit angelegt. Sie umfasst sogar das Flugreiseverhalten der Pariser, welches immerhin für ein Viertel der Emissionen verantwortlich ist und innerhalb der zehn Jahre um drei Prozent angestiegen ist. Dies ist aber der einzige größere Rückschlag. Dagegen sanken die Emissionen im Güterverkehr deutlich - nämlich um 18 Prozent auf fünf Millionen Tonnen. Doch dies hängt wohl mehr mit den Auswirkungen der Finanzkrise als mit dem ökologischen Umbau  der Logistik zusammen.

Aber auch die Gebäudeemissionen sind um 15 Prozent gesunken – und hier zahlt sich offenbar tatsächlich die höhere Energieeffizienz aus. Die Stadtverwaltung sieht sowohl bei  Bürogebäuden und Unternehmen Fortschritte, als auch bei privaten Haushalten, die ihren Energieverbrauch eingeschränkt haben. Strengere nationale Richtlinien sowie ein besseres Angebot an  umweltfreundlicheren Produkten haben dazu beigetragen, insbesondere Heiz- und Beleuchtungsemissionen sowie den Schadstoffausstoß durch Haushaltsgeräte zu verringern.

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