Kapitalmarkt
Nachhaltige Investments – mehr als eine Nische

Umweltschutz geht über den bloßen Umgang mit Biosiegel und grünem Punkt hinaus. Auch bei Geldanlagen spielt die Nachhaltigkeit mittlerweile eine bedeutende Rolle. Die Zeiten, in denen Investments nur den materiellen Reichtum vermehrten, sind vorbei.

DÜSSELDORF. Wer die Umwelt schützen will, kann im Biosupermarkt einkaufen, Energiesparlampen nutzen und weitgehend auf das Auto verzichten. Zusätzlich kann er sein Erspartes „nachhaltig“ anlegen. Das bedeutet, es in nachhaltige Investmentfonds oder Zertifikate zu investieren, die neben den üblichen finanziellen Aspekten zusätzlich ökologische, soziale und ethische Kriterien berücksichtigen. Sie achten darauf, dass Unternehmen schonend mit den natürlichen Ressourcen umgehen, keine Urwälder abholzen, kein Gift im Meer verklappen sowie auf Kinderarbeit verzichten, annehmbare Arbeitsbedingungen bieten und die Menschenrechte achten. Solche Fonds gibt es nicht nur für Aktien, sondern auch für Staatsanleihen.

Fonds und Zertifikate für Privatanleger

Im deutschsprachigen Raum sind inzwischen rund 143 derartige Fonds zugelassen. Sie sind entweder breit gefächerte Nachhaltigkeitsfonds mit unterschiedlichen und verschieden strengen Konzepten oder sie konzentrieren sich auf Umwelttechnik und -dienste beziehungsweise Ethik und Soziales. Es gibt Aktien-, Renten- und Mischfonds sowie einige Dachfonds, die in mehrere Einzelfonds investieren.

Der Markt für derartige Anlagen boomt und wächst um ein vielfaches schneller als der sonstige Fondsmarkt. Das Anlagevolumen hat sich seit dem Jahr 2000 von 1,6 Mrd. Euro auf 22,2 Mrd. Euro bis Ende März 2007 vervielfacht, wie das Sustainable Business Institut (SBI) der European Business School in Oestrich-Winkel dem Handelsblatt sagte. Das SBI bietet die einzige umfassende und komplett öffentlich zugängliche Datenbank zu den im deutschsprachigen Raum zugelassenen nachhaltigen Publikumsfonds (» www.nachhaltiges-investment.org).

Mit solchen Anlagen erzielt man einen doppelten Gewinn: Man muss nicht auf Rendite verzichten und kann doch guten Gewissens anlegen. Die besten von Standard & Poors gerateten nachhaltig investierenden Aktienfonds erzielten über die letzten drei Jahre eine durchschnittliche Rendite von 70 Prozent, errechnete kürzlich die ABN Amro Asset Management. Renditen, Risiken und Volatilität sind mit konventionellen Anlagen vergleichbar, und in Einzelfällen sind höhere Renditen zu erzielen. Das haben inzwischen unzählige Marktstudien erwiesen, sagt Prof. Henry Schäfer von der Universität Stuttgart.

Trotzdem macht dieser Bereich erst etwa ein Prozent des gesamten Fondsmarktes in Deutschland aus. Einer der Ursachen ist, dass die großen Banken ihre durchaus vorhandenen nachhaltigen Produkte nicht vermarkten. Kundenberater wissen oft gar nicht, dass es sie überhaupt gibt, geschweige denn was sie leisten. Darum sind deutsche Anleger im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn am wenigsten mit Nachhaltigkeitsfonds vertraut, wie eine Studie von ABN Amro Asset Management im Dezember ergab: Nur ein Viertel weiß, dass es diese Fonds überhaupt gibt. In europäischen Nachbarländern ist das anders: Drei Viertel der Niederländer wissen um Nachhaltigkeitsfonds. Im europäischen Ausland sind die Anteile am Fondsmarkt denn auch deutlich höher.

Das Wachstumspotential für solche Fonds in Deutschland sei jedoch sehr hoch, so die ABN Amro. 62 Prozent der befragten Privatanleger seien bereit, ihr Geld in ökologisch und sozial verantwortliche Anlageformen zu stecken. Der Vermögensverwalter rechnet mit einer Verdreifachung des Volumens bis Ende 2008.

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