Kelp-Bestand geht zurück Warme Meere lassen Unterwasser-Wälder schrumpfen

Kelp-Wälder bieten nicht nur einen überwältigenden Anblick für Taucher, sie sind auch wichtige Meeresökosysteme und haben große wirtschaftliche Bedeutung. Doch der Klimawandel setzt ihnen weltweit zu.
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In Japan und anderen Teilen der Welt schrumpfen die Tang-Wälder dramatisch. Quelle: AP
Kelp-Wald vor Yokohama

In Japan und anderen Teilen der Welt schrumpfen die Tang-Wälder dramatisch.

(Foto: AP)

Appledore IslandDamit hatte Jennifer Dijkstra nicht gerechnet. Als die Meeresbiologin vor ein paar Jahren im Golf von Maine tauchen ging, erwartete sie einen Ausflug durch einen wogenden Kelp-Wald – eine massive Ansammlung von Dutzenden Metern hohen Seetang-Strängen, die mit ihren dichten blattähnlichen Wedeln Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Fischarten und andere Kreaturen bieten. Aber Dijkstra sah nur einen gefleckten Meeresboden.

Ein großer Teil des Zuckertanges war verschwunden, ersetzt durch invasiven strauchartigen Seetang, der wie ein riesiger Zottelteppich aussah. „Ich erinnere mich daran, wie ehrlich schockiert ich darüber war, nur so wenige Kelp-Stränge zu sehen“, schildert die Biologin der University of Maine.

Regenwälder unter Wasser
Ausgebleiche Korallen an der Küste der Malediven
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Lebendige, leuchtende Farben glänzten vor einem Jahr noch knapp unter der Wasseroberfläche. Jetzt sind die Korallen des Riffs auf den Malediven tot – gestorben an Stress, verursacht von der steigenden Temperatur der Ozeane.

Ökologische Katastrophe
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Was übrig bleibt, ist eine große graue Fläche. Und dieses Szenario spielt sich derzeit in Korallenriffen weltweit ab. Eine ökologische Katastrophe.

Korallenbleiche am Great Barrier Reef vor Australien
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Die Welt hat innerhalb der vergangenen 30 Jahren fast die Hälfte der Korallenbestände verloren. Wissenschaftler versuchen deshalb nun, zumindest die Reste der einzigartigen Ökosysteme über die kommenden drei Jahrzehnte zu bewahren. Die Gesundheit des Planeten hängt davon ab: Gut ein Viertel aller im Meer lebenden Spezies wird von Korallenriffen unterstützt.

Regenwald unter Wasser
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Und auch die Menschen brauchen sie. Der Verlust der Korallenriffe sei fundamental schlecht für die Gesundheit eines großen Teils der Menschheit, sagt die Direktorin des Instituts für Marinebiologie auf Hawaii, Ruth Gates. Denn Korallen produzieren Sauerstoff, den Menschen atmen. Deshalb werden sie auch oft als Unterwasser-Regenwald beschrieben.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor
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Außerdem bilden die Riffe wichtige Barrieren, die Küsten vor der vollen Kraft von Stürmen schützen. Auch die Rolle als Touristenmagnet ist nicht zu unterschätzen. Milliarden Dollar werden jedes Jahr umgesetzt, damit Menschen die Unterwasser-Regenwälder sehen können.

Mehr als ein fernes Tauchziel
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„Sie sollten besorgt sein, egal, ob Sie in Nordamerika oder Europa oder Australien leben“, sagt Ove Hoegh-Guldberg vom Institut für globale Veränderungen an der Universität in Queensland, Australien. „Das ist nicht einfach nur ein entferntes Tauch-Ziel, ein Urlaubsziel. Das ist der Stoff unseres Ökosystems, das uns trägt.“

90 Prozent aller Korallen gefährdet
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Und dieser Stoff wird gerade zerrissen. Selbst wenn die Weltbevölkerung die Erderwärmung komplett aufhalten könnte, nehmen Experten immer noch an, dass 90 Prozent der Korallen bis 2050 abgestorben sind.

Und sie steht nicht alleine da. Der Golf von Maine, der sich von Cape Cod im US-Staat Massachusetts bis zum kanadischen Neuschottland erstreckt, ist nur ein Beispiel für den alarmierenden Verlust von Kelp in vielen Teilen der Welt – sei es im Mittelmeer, vor den südlichen Küsten Japans und Australiens oder im Pazifik vor Kalifornien.

Kelp-Wälder, die zu den vielfältigsten Meeresökosystemen zählen, gibt es vor allen kontinentalen Küsten außer der Antarktis. Sie sind nicht nur Ausgangspunkt ganzer Nahrungsketten, sondern haben auch große wirtschaftliche Bedeutung für die Küstenregionen. Sie bescheren der Tourismus- und Fischereiindustrie Milliarden an Einnahmen und sind wegen ihres Reichtums an Mineralstoffen und Spurenelement auch in der Naturheilkunde beliebt.

Schuld an den zunehmenden Kelp-Verlusten ist laut mehreren wissenschaftlichen Studien wahrscheinlich die Meereserwärmung, die durch den Klimawandel erzeugt wird – gepaart mit der Ankunft invasiver Spezies: In Maine sind die „Eindringlinge“ andere Seetangarten, in Australien, dem Mittelmeer und Japan tropische Fische, die das Kelp fressen.

„Die Veränderungen zusammen sind Teil eines wachsenden globalen Trends, der die Kelpwälder auf der Welt vernichtet“, sagt Thomas Wernberg von der University of Western Australia. Er ist Mitverfasser einer 2016 veröffentlichten Studie, nach der in den vergangenen 50 Jahren 38 Prozent der Kelp-Wälder in den Regionen, in denen Daten zur Verfügung standen, verschwunden sind.

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1 Kommentar zu "Kelp-Bestand geht zurück: Warme Meere lassen Unterwasser-Wälder schrumpfen"

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  • Abseits der Ökosaga vom "Klimawandel" hat sich das Weltklima zum Glück je nach Quelle seit der Kleinen Eiszeit (ca. 1600 - 1850) um 0,5 - 0,8+-0,5°C erwärmt wobei ein grosser Teil der Erwärmung vor 1940 stattfand.

    Eine Änderung des Wasserpflanzensystems ist sicherlich wissenschaftlich und wirtschaftlich interessant

    Meines Erachtens haben sich die "Wissenschaftler" die Arbeit leicht gemacht und auf die Ökoreligion und die Saga vom "Klimawandel" verwiesen. Ich nehme an dass es eine ernsthafte wissenschaftliche Studie ohne ökoreligiösen "Klimawandel" kaum in die Zeitung geschafft hätte.

    Anspruchsvoller wäre es gewesen die verantwortlichen Meeresströmungen und die Änderungen der lokalen Verhältnisse zu untersuchen. Eine mögliche Ursache ist sicherlich auch die Änderungen der Fauna durch den Fischfang.

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