Kernernergie
Brodelnde Suppe

Atommüll ist Hunderttausende Jahre eine tödliche Gefahr. Es sei denn, man entschärft ihn. Deutsche Forscher glauben, mit einer sogenannten Transmutationsmaschine eine Lösung zu haben. Und die Funktionsweise der Anlage ist noch nicht einmal besonders kompliziert.

Der bulgarische Verpackungskünstler Christo hätte seine Freude am Kalla-Labor des einstigen Kernforschungszentrums Karlsruhe, das heute als KIT Campus Nord firmiert: Hunderte Meter lange Rohre, Tanks und Versuchsstrecken sind sorgfältig in Silberfolie verpackt, die zudem eine dicke Isolierung verdeckt.

Was beinahe wie Kunst aussieht, ist blanke Notwendigkeit: In den Rohren und Tanks zirkuliert eine mehr als 200 Grad Celsius heiße Mischung aus Blei und Wismut. "Bei dieser Temperatur sind die Schwermetalle so flüssig wie Wasser", sagt Professor Thomas Wetzel, der das Kalla-Labor leitet.

Die heiße Metallsuppe und die verpackten Rohre sind Testlabor für eine neue Anlage, die schier Unglaubliches leisten soll: Sie soll schon in wenigen Jahren in der Lage sein, Atommüll zu entschärfen. Mit einer solchen Transmutationsmaschine "reduziert sich die Zeit, in der der Müll eine Gefahr ist, von 170 000 auf allenfalls 500 Jahre", sagt Thomas Schulenberg, Leiter des KIT-Instituts für Kern- und Energietechnologien.

Dabei ist die Funktionsweise der neuen Anti-Müll-Maschine nicht einmal sonderlich kompliziert. Sie lässt energiereiche Neutronen, also elektrisch neutrale Teilchen, die in nahezu allen Atomkernen stecken, auf die am längsten strahlenden Giftstoffe des Mülls, darunter Plutonium und Uran, prallen. Übrig bleiben Elemente wie Krypton, Caesium und Jod, die relativ schnell zerfallen und nach wenigen Jahrhunderten ungefährlich sind.

In drei Jahren soll die Konstruktion einer Demonstrationsanlage beginnen, die am belgischen Kernforschungszentrum Mol in der Nähe von Antwerpen jährlich einige Tonnen hochradioaktiven Müll entschärfen kann.

Die Idee der Transmutation ist schon Jahrzehnte alt. Bislang jedoch war das Verfahren zu teuer. Zudem gab es keine Teilchenbeschleuniger, die rund um die Uhr Protonen produzieren, die wiederum Neutronen erzeugen. Um alle Ziele zu erreichen sei "noch einige Forschungsarbeit nötig", sagt Joachim Knebel, Chief Science Officer des KIT.

Ein wichtiger Schritt steht in Karlsruhe nun unmittelbar bevor: der Test der Kammer, in der später durch Protonenbeschuss die energiereichen Neutronen erzeugt werden. Und am Beschleuniger des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf, den die Forscher Elbe genannt haben, laufen Versuche zur kontinuierlichen Neutronenproduktion.

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