Kernkraft und Klimaschutz
Schützenhilfe für Atomlobby

Betreiber von Atomkraftwerken haben die Chance erkannt, die Debatte um Treibhauseffekt und Klimaschutz für die eigene Imagewerbung zu nutzen. Neuerdings preisen sie ihre Meiler als klimaschonend an. Und das nicht ganz zu Unrecht.

Die Sonne strahlt, der Himmel leuchtet blau. Im Vordergrund steht ein Traktor, ein Bauer arbeitet an einem Haufen Zuckerrüben - Natur pur. Im Hintergrund - durch die Rüben fast verdeckt - ragen die Kühltürme des Atomkraftwerks Grohnde ins Bild. Der Reaktor, so die Botschaft, schütze das Klima, weil er umweltfreundlich Energie erzeugt.

Das Motiv ist eines von mehreren, mit denen die deutsche Atomwirtschaft seit Anfang Juni für ihre umstrittene Technik wirbt. Slogan: „Deutschlands ungeliebte Klimaschützer". Die Branche hat die Chance erkannt, die Debatte um Treibhauseffekt und Klimaschutz für die eigene Imagewerbung zu nutzen.

Die Atomkraft, die besonders in Deutschland stark in der Kritik steht, hat im Vergleich zu anderen Energieträgern tatsächlich den Vorteil, dass bei ihrer Produktion das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) nicht anfällt. Zwar halten Kritiker entgegen, auch Nuklearstrom sei nicht CO2-frei zu haben, weil bei der Urangewinnung, der Herstellung der Brennelemente und dem Bau der Kraftwerke durchaus Treibhausgase entstehen. Aber selbst bei einer solchen „Lebenszyklus-Analyse" seien die Emissionen von fünf bis 33 Gramm CO2 je Kilowattstunde vergleichbar mit denen von Wind- und Wasserkraft, betonen die Befürworter. Bei Braunkohle seien es bis zu 1 200 Gramm, bei Steinkohle teilweise über 1 000 Gramm, und selbst die Photovoltaik verursache deutlich höhere Emissionen als die Kernenergie. Jahr für Jahr würden so 150 Millionen Tonnen CO2 eingespart, rechnet Eon-Chef Wulf Bernotat vor - und leitet daraus seine politische Forderung ab: „Ein deutscher Ausstieg aus der Kernenergie ist mit der europäischen Klimapolitik nicht vereinbar." Die Atomkraftwerke, die nach einer 2002 zwischen der Bundesregierung und den Versorgern geschlossenen Vereinbarung bis 2021 vom Netz sollen, ließen sich nicht klimaneutral ersetzen. Auch die Konkurrenten RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg spielen die Klimakarte.

International findet die These durchaus Unterstützung. Die EU-Kommission etwa hält ihre klimapolitischen Ziele ohne Kernenergie für nicht erreichbar. Die Uno nennt in ihrem Klimabericht neben dem Einsatz von Wind- und Sonnenenergie sowie einer Verbesserung der Energieeffizienz ausdrücklich auch die Atomkraft als Alternative, um den CO2-Ausstoß zu senken.

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