Kerosin der Zukunft Pack die Alge in den Tank

Fliegen unsere Flugzeuge in Zukunft mit Kerosin aus Algen? Technisch wäre das schon heute kein Problem, aber noch ist dieser Treibstoff viel zu teuer. Darum suchen Forscher nach einer neuen Super-Alge.
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Algen tropfen durch Filtermatten in einem Foliengewächshaus des Instituts für Bio- und Geowissenschaften am Forschungszentrum Jülich. Forscher suchen hier nach der besten Alge für das Bio-Kerosin der Zukunft. Quelle: dpa

Algen tropfen durch Filtermatten in einem Foliengewächshaus des Instituts für Bio- und Geowissenschaften am Forschungszentrum Jülich. Forscher suchen hier nach der besten Alge für das Bio-Kerosin der Zukunft.

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JülichLadislav Nedbal hat zu seinen Algen ein recht spezielles Verhältnis. „Du gehst durch die Felder und siehst sie wachsen.“ Begeisterung schwingt mit. Wobei der Wissenschaftler durch ein „Feld“ der etwas anderen Art geht: Es liegt im Forschungszentrum Jülich, in einem Gewächshaus, ausgestattet mit Messtechnik und Schläuchen, die mit Wasser gefüllt sind. Darin wachsen Algen. Das mit dem „Wachsen-Sehen“ darf man aber durchaus wörtlich nehmen.

Sind Algen die Rohstoffquelle der Zukunft?

Tatsächlich vermehren sich die winzigen Algen rasend schnell und produzieren sieben- bis zehnmal soviel Masse wie Landpflanzen. In den durchsichtigen Schläuchen färben sie das Wasser grün. Die Luftfahrt sieht in solchen Algen einen Rohstoff für das Kerosin der Zukunft: In etwa 20 Jahren könnten viele Maschinen damit fliegen.

Energie vom Acker
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Energiepflanzen

Der Anbau von Energiepflanzen zur Herstellung von Biogas oder Biokraftstoff hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Lag die Anbaufläche in Deutschland 1998 noch unter 500.000 Hektar, so wurden zehn Jahre später bereits auf 1,75 Millionen Hektar nachwachsende Rohstoffe angebaut.

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Energiemais

Mais ist der wichtigste Rohstoff für Biogasanlagen in Deutschland. Rund 90 Prozent aller Biogasanlagen hierzulande werden mit Maissilage, dem Gärprodukt des Futtermaises, betrieben. Von den knapp zwei Millionen Hektar Anbaufläche in Deutschland, auf denen 2007 Mais angebaut wurden, entfielen rund 250.000 Hektar auf Energiemais zur Biogasgewinnung. Getrocknet und zu Briketts verarbeitet, kann Mais aber auch als Heizmittel verwendet werden.

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Zuckerrüben

Zuckerrüben eignen sich zur Herstellung von Bioethanol ebenso wie zur Gewinnung von Biogas. Aus einer Tonne Zuckerrübenschnitzel lassen sich rund 67 Kubikmeter Biogas gewinnen. Wegen seines hohen Methan-Anteils ist Biogas aus Zuckerrüben besonders energiereich.

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Raps

Die Rapspflanze ist einer der vielseitigsten Bioenergieträger. Als Grundstoff für Biokraftstoffe eignet sie sich ebenso wie als Substrat in Biogasanlagen oder als Heizstoff in Kraftwerken und Heizungen. Diesen positiven Aspekten stehen allerdings auch einige gewichtige Nachteile gegenüber: Raps benötigt viel Wasser sowie intensive Düngung, was sich nachteilig auf die CO2-Bilanz der Pflanze auswirkt. Auch der vergleichsweise hohe Bedarf an Anbaufläche macht den Bioenergieträger nicht uneingeschränkt empfehlenswert.

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Kartoffeln

Wie alle Pflanzen mit hohen Gehalten an Zucker oder Stärke eignen sich auch Kartoffeln prinzipiell zur Herstellung von Bioethanol. Vergleicht man jedoch die Kilometerleistung, die sich mit dem aus einem Hektar Anbaufläche gewonnenen Biokraftstoff erzielen lässt, mit der Treibhausgas-Belastung, die bei der Produktion von Bioethanol aus Kartoffeln entstehen, erweist sich die Knolle als weniger geeignete Energiepflanze.

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Gras

Auch Wiesengras eignet sich als Rohstoff für die Biogasgewinnung. Dazu wird das Gas in speziellen Anlagen in seine Bestandteile (Fasern, Protein und flüssige Grasgülle) zerlegt, die anschließend weiter verarbeitet werden. Die Grasgülle kann in Biogas und schließlich Strom umgewandelt werden. Besonders attraktiv: Bei diesem Prozess fallen keine Reststoffe an.

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Getreide

Getreide eignet sich als Grundstoff für Bioethanol ebenso wie zur Gewinnung von Biogas. Roggen etwa liegt mit einer Ausbeute von 163 Kubikmeter Biogas pro Tonne mit an der Spitze der Biogasrohstoffe. Hochgerechnet entspricht ein Hektar Getreide etwa 1,5 Kilowattstunden elektrischer Dauerleistung - ein Wert, der nur von Mais übertroffen wird.

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Vereinzelt haben sogar heute schon Flugzeuge Kerosin aus Pflanzenöl im Tank. Joachim Buse, Vorstand der Biokraftstoff-Initiative der Deutschen Luftfahrt (Aireg), sieht Pflanzenöle aus klassischem landwirtschaftlichen Anbau kurz vor der Wettbewerbsfähigkeit. Der Verein, dem alle deutschen Airlines angehören, verfolgt das Ziel, alternative Kraftstoffe mit besserer CO2-Bilanz in den Verkehr zu bringen.

Buse denkt weiter: „Die Nachfolge-Generationen sind dann möglicherweise in 20 Jahren die Algen.“ Sie würden keine Agrarflächen verbrauchen und nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen. Algen produzieren viel Masse, wachsen platzsparend in Schläuchen, Röhren oder Sieben und enthalten bis zu 70 Prozent fette Öle, ähnlich dem Pflanzenöl.

Aber im Vergleich zu fossilem Treibstoff seien sie noch zu teuer, sagt Andreas Müller, einer der Jülicher Projektkoordinatoren. Kontrovers diskutierte Berechnungen gingen von einem Faktor fünf bis zehn aus. Die Jülicher Forscher haben mit elf Partnern mit einer wissenschaftlichen Bestandsaufnahme zur Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit begonnen. Der Bund fördert das Projekt „Aufwind“ mit 5,7 Millionen Euro.

Die Flugzeuge wären jetzt schon startklar
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