Klima-Orakel: Klimafaktor PKW-Maut

Klima-OrakelKlimafaktor PKW-Maut

Leser fragen, Klima-Experten antworten.Diesmal fragt Katrin Röbel aus Düsseldorf: „Inwiefern nützt eine PKW-Maut dem Klima?“ Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) antwortet ihr.
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Ob eine PKW-Maut dem Klima nützen kann, ist heftig umstritten und hängt wesentlich von der Ausgestaltung ab. Aus Bayern kommt in jedem Jahr mitten im politischen Sommerloch die Forderung nach einer Autobahnvignette.

Nach österreichischem Vorbild würde dabei jeder Autobahnnutzer eine Vignette kaufen, die entweder ein Jahr lang oder für eine zeitlich befristete Reise gilt. Doch das schadet dem Klima mehr als es nützt, weil es doch reizt, die einmal bezahlte Leistung – wie bei einer Handy-Flatrate – voll auszunutzen.

Zudem ist die Autobahn-Maut unsozial, weil der Rentner, der mit seinem VW Golf im Jahr 1.000 Kilometer auf der Autobahn fährt, genau so viel bezahlt wie die Geschäftsfrau, die in einem 5er BMW 30.000 Kilometer auf der Überholspur unterwegs ist. Wenigfahrer würden auf unfallträchtige Landstraßen ausweichen.

Eine PKW-Maut, die darauf abzielt, das Klima zu schützen, müsste aus Sicht des VCD fahrleistungsabhängig sein und für alle Straßen gelten. Sie würde einen Anreiz bieten, weniger zu fahren. Sie müsste außerdem verbrauchsabhängig erhoben werden, weil eine 10.000 Kilometer-Fahrt mit einem 3-Liter-Auto weniger Klimagase verursacht als 3.000 Kilometer mit einem Luxusschlitten, der 10 Liter verbraucht.

Den Anreiz, weniger mit besserer Technik zu fahren, bietet aber auch die Mineralölsteuer beziehungsweise Ökosteuer. Bei der gibt es im Vergleich zur PKW-Maut keine Datenschutzprobleme und keine hohen Erhebungskosten für Rechnungsstellung sowie Mess- und Sendetechnik.

Das Klima-Orakel erscheint in Zusammenarbeit von Handelsblatt Online und der vom Bundesumweltministerium geförderten Initiative Klima sucht Schutz.

Kommentare zu " Klima-Orakel: Klimafaktor PKW-Maut"

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  • Die Diskussion um Steuern/Abgaben/Maut für Autofahrer wäre relativ akademisch, wenn die *Grössenordnung* dieser Gelder normal wäre. Sie ist aber gigantisch! Es geht bei der Autofahrer-Abzocke um 40-50 Milliarden Euro jedes Jahr. Bedenkt man, daß es nur 80 Millionen Einwohner gibt und davon nur ein Bruchteil Autofahrer ist, wird einem klar, wie groß die Abzocke ist. Der erste Schritt zur Gerechtigkeit muss sein, die Kosten insgesamt *massiv* zu senken, und auch auf nicht-Autofahrer gerecht zu verteilen (ja, damit sind insbesondere auch die Fahrradfahrer gemeint!!).

  • PKW-Maut als einnahmequelle und für Klimaschutz sind zwei verschiedene themen und sollten endlich getrennt werden. Eine PKW-Maut wurde in erster Linie als Einnahmequelle erdacht und sollte zusätzliche Einnahmen von ausländischen Fahrzeugen kreieren. Es sollte deshalb eine Straßennutzungsgebühr für alle Straßen sein, damit Ausweichen auf Bundesstraßen vermieden wird. Die ewige Ungerechtigkeitsdebatte zwischen Viel- und Wenigfahrern ist ganz einfach zu lösen. Deutsche Halter bekommen den Preis der Jahresmaut von der KFZ-Steuer abgezogen und ausländische nicht. Damit ist für Deutsche Halter wieder staus quo bei dem die "gerechte" unterschiedliche Besteuerung von Viel- bzw. Wenigfahrern an der Zapfsäule geschieht. Ist das Thema Einnahmequelle einmal gelöst, kann man sich andere Maßnahmen für Klimaschutz überlegen. Wenn man immer alles Themen in einen Topf wirft und auf einmal erledigen will, passiert zu lange gar nichts.

  • was bitte hat CO2 damit zu tun, dass sich gerade das gesamte Sonnensystem erwärmt?

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