Klima-Orakel
Mais in den Tank: Ist Biosprit gut für das Klima?

Leser fragen - Klima-Experten antworten. Diese Woche hat Oliver Grenzen aus Passau nachgefragt, Dr. Andreas Ostermeier vom Umweltbundesamt antwortet ihm.
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Für die meisten heute auf dem Markt befindlichen Biokraftstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe wie Mais oder Raps lautet die Antwort: Nein!

Wesentlich für diese Einschätzung sind Flächennutzungsänderungen. Besonders indirekte Flächennutzungsänderungen sind methodisch schwierig zu fassen, führen aber nach gegenwärtigem Kenntnisstand zu erheblichen, wenn auch schwer quantifizierbaren, Treibhausgasemissionen.

Ein Beispiel: Auf einer Ackerfläche in Deutschland wird seit Jahren Mais, Raps oder eine ähnliche Feldfrucht angebaut. Bislang hat der Bauer seine Ernte an einen Viehmäster oder eine Margarinefabrik verkauft. Im Jahr 2009 verkauft der Bauer den Mais oder Raps erstmals an einen Biokraftstoffproduzenten. Der Viehmäster oder die Margarinefabrik müssen ihre Rohstoffe deswegen aus anderen Quellen beziehen und den Mais beispielsweise importieren.

Letztlich trägt dieser Prozess zu der gegenwärtig weltweit in großem Umfang stattfindenden Umwandlung von naturnahen Flächen wie Feuchtgebieten, (Ur)Wald und Savannen in landwirtschaftliche Nutzflächen bei. Dabei werden große Mengen des in den naturnahen Böden gespeicherten Kohlenstoffs umgewandelt und als CO2 freigesetzt.

Aus der Umwelt- und besonders Klimaperspektive sind Biokraftstoffe daher in der Regel nur sinnvoll, wenn sie auf der Basis von Alt- oder Reststoffen produziert werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist Biogas auf der Basis von Gülle. Um aber Stroh, Altholz oder andere biogene Reststoffe sinnvoll zu Biokraftstoffen verarbeiten zu können, sind innovative Konversionstechniken notwendig. Diese werden noch erforscht. Ob und wann hierbei marktfähige Techniken und Produkte entwickelt werden können, ist gegenwärtig noch offen.

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