Klimabericht für Deutschland
Keine Dürre unterm Fernsehturm

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Meteorologie haben einen Klimabericht für Deutschland vorgelegt. Mit bislang nicht gekannter Detailgenauigkeit entwickeln die Forscher ein Szenario über mögliche Auswirkungen des Klimawandels bis zum Jahr 2100. Ihr Fazit: Tiefgreifender Wandel, doch weniger dramatisch als befürchtet.

DÜSSELDORF. Keine Dürre unterm Fernsehturm, keine Palmen am Brandenburger Tor: Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Meteorologie haben im Auftrag der Bundesregierung untersucht, wie sich der Klimawandel in Deutschland bis zum Jahr 2100 auswirken wird. Heraus kam ein Klimamodell, das in seiner Genauigkeit weltweit einzigartig ist. Und das für Deutschland tiefgreifende Veränderungen vorhersagt – auch wenn der Wandel weniger dramatisch ausfallen dürfte als befürchtet.

Über die Arbeit der Max-Planck-Wissenschaftler berichtet aktuell „Spiegel Online“. Demnach ermittelten die Forscher für alle 30 Sekunden der kommenden 92 Jahre Werte zu Vorgängen in der Luft, im Wasser und auf der Erde. Wobei vor allem der Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre ins Auge gefasst wurde: Die Wissenschaftler entwickelten je ein Modell für niedrige, mittlere und hohe Treibhausgasemissionen. Mehrere hundert Billiarden Rechenaufgaben musste der Großrechner des Max-Planck-Instituts bewältigen, um alle Bezugsgrößen des regionalen Klimamodells „Remo“ in Einklang zu bringen.

Der Bericht der Max-Planck-Forscher

Wichtigstes Ergebnis der Untersuchung: Bis zum Ende des Jahrhunderts wird es in Deutschland im Jahresdurchschnitt rund drei Grad wärmer sein als in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wobei sich der Temperaturanstieg regional unterschiedlich verteilt. Vor allem der Süden und Südosten Deutschlands wird sich auf ein wärmeres Klima einstellen müssen, hier sagen die Forscher einen Temperaturanstieg um mehr als 4 Grad gegenüber den letzten 50 Jahren voraus.

Für Skifahrer dürften die Prognosen der Max-Planck-Forscher wie eine Hiobsbotschaft klingen. Selbst in den Alpen wird es in Zukunft nur noch in Höhenlagen heißen: Ski und Rodel gut. Unterhalb von 1500 Metern soll es um das Jahr 2100 allenfalls noch sporadisch schneien, die heutigen Wintersportgebiete in den deutschen Mittelgebirgen werden dann schneefrei sein. Insgesamt werden die Niederschläge im Winter aber in ganz Deutschland zunehmen: „Vor allem in den Mittelgebirgen Süd- und Südwestdeutschlands ist über ein Drittel mehr Niederschlag zu erwarten als heute“, heißt es in dem Bericht, der dem Umweltbundesamt übergeben wurde.

Vom Schneemangel enttäuschte Alpentouristen könnten künftig verstärkt an den deutschen Küstengebieten Erholung suchen. Hier rechnen die Wissenschaftler mit Temperaturanstiegen bis zu 2,8 Grad. „Obwohl sich an beiden Küsten die jährliche Niederschlagsmenge nicht ändert, könnte die Tourismusbranche davon profitieren, dass es im Sommer bis zu 25 Prozent weniger regnen könnte“, so die Forscher.

Geeicht wurde das Klimamodell an aktuellen Wetterbeobachtungen. Wie die Forscher in ihrem Abschlussbericht anführen, deckten sich die von Remo gelieferten Daten zum heutigen Wettergeschehen sehr gut mit den tatsächlich gemessenen Werten. Allerdings hängen die jetzt veröffentlichten Prognosen entscheidend davon, ob sich die Treibhausgasemissionen in den kommenden Jahren tatsächlich so entwickeln, wie von den Wissenschaftlern angenommen. „Es ist nicht bekannt wie sich der Ausstoß der Treibhausgase und Aerosole in Zukunft entwickeln wird. Derzeit sind lediglich mehr oder weniger grobe Abschätzungen möglich“, so das Fazit der Studie.

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