Klimaforschung: Der Frühling kommt immer früher

Klimaforschung
Der Frühling kommt immer früher

In den letzten fünfzig Jahren haben sich die Jahreszeiten um fast zwei Tage nach vorne verschoben. Zu diesem Ergebnis kommen amerikanische Forscher. Verblüffend: Die bisher wichtigsten Modelle, die auch die UNO nutzt, können das Phänomen nicht erklären.
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dpa DÜSSELDORF. Frühling und Herbst beginnen immer früher. Der gesamte Jahreszyklus habe sich in den vergangenen 50 Jahren um 1,7 Tage nach vorne verschoben, berichten Forscher um Alexander Stine von der Universität von Kalifornien in Berkeley in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Nature".

Verglichen mit der ersten Hälfte des Jahrhunderts, steigen heute die Temperaturen im Frühjahr früher und fallen im Herbst auch wieder eher. Außerdem werden die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter schwächer. "Diese Veränderungen sind höchst ungewöhnlich", heißt es in der Studie. Für die Verschiebung der Jahreszeiten machen die Forscher die Erderwärmung verantwortlich.

Stine und seine Kollegen verglichen jahreszeitliche Wettertrends der ersten und zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei nutzten sie die Tatsache, dass es heutzutage sehr viele Wetterdaten gibt und die Messungen große Bereiche der Erdoberfläche abdecken. Für die Landmassen fanden sie einen deutlichen Trend hin zu früher eintretenden Jahreszeitwechseln; auf den Ozeanen ist die Datenlage allerdings noch unklar.

In ihrer Studie gingen die Forscher aber noch einen Schritt weiter: Sie testeten einige Klimamodelle des Weltklimarates IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) auf ihre Fähigkeit, die beobachteten Wettertrends abzubilden.

Nur wenige Modelle, schreiben die Forscher, zeigten jedoch die schwindende Temperaturdifferenz zwischen Sommer und Winter, und keines der Modelle sagte eine Verschiebung der Jahreszeiten voraus. "Die IPCC-Modelle können uns anscheinend keine Erklärung für die beobachteten Trends geben", heißt es in der Studie.

Die Forscher zeigen damit eindrucksvoll, dass selbst die komplexesten Klimamodelle nicht die ganze Wirklichkeit abbilden können. In einem begleitenden "Nature"-Artikel schreibt der kanadische Mathematiker David Thomson: "Wir müssen immer daran denken, dass Klimamodelle, obwohl sie eine Vielzahl von Effekten berücksichtigen und viele Dinge richtig erkennen, ganz sicher viele andere Dinge übersehen."

"Wenn wir nicht aufhören, die Erdatmosphäre zu verschmutzen", so Thomson, dann "könnte uns womöglich die Zeit fehlen, um ausreichend ausgeklügelte Modelle zu entwickeln, die das heute schon Offensichtliche dann auch abbilden."

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