Klimaforschung
Wie wäre es mit Sachargumenten?

Dokumentation eines Forscherstreits: Zum Auftakt der Klimakonferenz in Kopenhagen hatte sich der Klimaforscher Hans von Storch in einem Interview kritisch gegenüber der Kopenhagen-Diagnose und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) geäußert. Stefan Rahmstorf vom PIK antwortet ihm.
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Am 25. November wurde in Sydney die Kopenhagen-Diagnose veröffentlicht - eine aktuelle Zusammenschau der wichtigsten Fachpublikationen zum Klima seit der Veröffentlichung des IPCC-Berichts im Jahr 2007. Diese Zusammenfassung wurde von einem internationalen Team von 26 Wissenschaftlern auf eigene Initiative erstellt, um rechtzeitig zur Weltklima-Konferenz der Vereinten Nationen in Kopenhagen einen Überblick über die neuesten Forschungsresultate vorzustellen.

Das weltweite Interesse an dem Dokument war enorm: Viele Zeitungen zitierten es auf der Titelseite, im australischen Parlament las Premierminister Kevin Rudd die Kernaussagen daraus vor, und ich wurde eingeladen, die Studie im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages vorzustellen. Auch aus Kollegenkreisen kam viel Lob. Doch Hans von Storch äußerte scharfe Kritik, die so nicht unwidersprochen bleiben kann.

Seine „methodische Kritik“ an der Diagnose lautet unter anderem, sie würde aus nur einem Jahrzehnt an Daten Schlüsse ziehen - dagegen sei ein Zeitraum von 30 Jahren notwendig. Wenn wir die Diagnose durchblättern, finden wir: 30 Jahre Emissionsdaten, 30 Jahre CO2-Konzentration, 150 Jahre globale Temperaturen, 100 Jahre Wetterextreme, 150 Jahre Gletscherdaten, 50 Jahre Massenbilanz und 30 Jahre Abschmelzfläche für Grönland, 60 Jahre arktische Meereisbedeckung, 50 Jahre Antarktistemperaturen, 50 Jahre Ozeantemperaturen, 40 Jahre Meeresspiegel, 2000 Jahre Arktistemperaturen und so weiter.

Nur an einer Stelle ist überhaupt von einem Zeitraum von zehn Jahren die Rede - dort, wo der Bericht auf das beliebte „Skeptiker“-Argument eingeht, seit zehn Jahren stagnierten die Temperaturen. Die Diagnose erläutert, dass die Entwicklung über zehn Jahre von natürlichen Schwankungen dominiert wird und folgert: „Aus gutem Grund hat der IPCC 25 Jahre als kürzeste Periode gewählt, für die ein Klimatrend gezeigt wird“.

Wie rasch steigt der Meeresspiegel?

Von Storch stört sich weiter an den Aussagen zum Meeresspiegelanstieg, wo die Diagnose folgert, dieser könne bis zum Jahr 2100 bei ungebremsten Treibhausgasemissionen einen Meter überschreiten, mit einer abgeschätzten Obergrenze von zwei Metern. „Diese Zahlen stammen vom PIK“, behauptet von Storch - was so nicht stimmt, da es sich um die zusammenfassende Folgerung aus mehreren neuen Studien handelt. Die Obergrenze von zwei Metern etwa stammt aus einer Arbeit von US-Forschern, die auch als Quelle zitiert wird.

Gravierender ist von Storchs Behauptung, aus politischen Gründen würde die Diagnose Studien mit weniger bedenklichen - also niedrigeren - Zahlen verschweigen. Tatsächlich zitiert der Bericht eine bestimmte Studie mit niedrigeren Zahlen nicht, weil diese Studie massiv von einem - von den Autoren bestätigten - Programmierfehler betroffen ist. Wir halten es für gute Praxis abzuwarten, bis die Auswirkungen des Fehlers in der Fachliteratur geklärt sind, bevor eine solche Studie in eine Forschungsübersicht einfließt.

Von Storch suggeriert schließlich sogar, die gesamte Diagnosis sei eine PIK-Aktion, „und das PIK spricht nur für sich“. Die Studie wurde aber von der University of New South Wales in Australien initiiert, und 26 Forscher aus 8 Ländern haben sich beteiligt - aus Deutschland zum Beispiel auch Martin Visbeck, Vizedirektor des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften in Kiel. Und zum Meeresspiegel decken sich die Folgerungen mit dem Synthesebericht der Kopenhagener Klimakonferenz vom Frühjahr - dem größten Klimaforschungskongress des Jahres. Eine weitere Bestätigung liefert der Antarktisbericht, der gerade von 100 Autoren zum 50. Jahrestag des Antarktisvertrages publiziert wurde - unter anderem von Eberhard Fahrbach vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.

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  • Hallo Mercia, Du hast recht.
    Sachargumente? , ja gerne:
    - der Mensch macht nur 2% vom CO2 Eintrag in die Atmosphäre.
    - den Treibhauseffekt gibst nicht.
    - der Eisbär ist nicht vom Klimawandel gefährdet
    - die thermische Wirksamkeit vom CO2 wird übertrieben
    - nur in Potsdam wird ganz arg warm, in berlin nicht
    - die Datenmanipulation wird vn RA heruntergespielt
    - der Klimawandel ist keine Gefahr.
    - der Mensch ist ein kleines Rad im Klimawandel
    Die Propaganda, ideologie und Dogmas ist erkennbar.
    Gruß Gerhard Schweickhardt

  • Schon mal was von Quanten gehört? insbesondere die Verschränkung, die Kommunikation sowie die Fähigkeit, die Entstehung neuer informationen zu stimulieren und zu speichern, lässt durchaus den Schluss zu, dass das Quantische System mit einer dem Menschen überlegenen intelligenz ausgestattet ist.
    Wenn wir diese Überlegenheit an intelligenz als Fakt und nicht als Fiktion akzeptieren, kann dies nur bedeuten, dass wir alle Vorgänge in der Natur, also auch den Klimawandel, als Teil eines universellen Plans des Quantischen Systems begreifen müssen.
    Unser bisheriges Weltbild berücksichtigt doch nur einen winzigen Teil der kosmischen (einschließlich der irdischen) Zusammenhänge. Wir sind nicht das Maß aller Dinge und unsere „Funktion“ im kosmischen Maßstab ist überaus beschränkt.

  • "30 Jahre Emissionsdaten, 30 Jahre CO2-Konzentration, 150 Jahre globale Temperaturen, 100 Jahre Wetterextreme, 150 Jahre Gletscherdaten, 50 Jahre Massenbilanz und 30 Jahre Abschmelzfläche für Grönland, 60 Jahre arktische Meereisbedeckung, 50 Jahre Antarktistemperaturen, 50 Jahre Ozeantemperaturen, 40 Jahre Meeresspiegel, 2000 Jahre Arktistemperaturen und so weiter."
    Und genau das muß bezweifelt werden, denn um etwas über das "Weltklima" aussagen zu können muss ein Raster von Messpunkten über die ganze Welt verteilt sein. ich möchte sogar bezweifeln, daß ein solcher Messpunktraster vor 10 Jahren schon vorhanden war.
    Und wer kontrolliert die Messpunkte.
    ich wohnte in einer Zeit, als das Waldsterben ein Topthema in den Medien war in der Nähe eines Waldstücks in dem bestimmte bäume als Kontrollbäume gekennzeichnet waren, in der Regel die kränksten und mickrigsten des bestandes. Die 68er beherrschen die Kunst des Tarnen und Täuschens perfekt.

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