Klimagipfel in Cancún
Wenn Klimaskeptiker gegen die Weltverschwörung kämpfen

Es gibt auch Gegner des Klimaschutzes - und diese sind nach Cancún gekommen. Sie kämpfen gegen die UN und den "Permasozialismus". Was das mit einem Besuch im Slum von La Liberdad zu tun hat, beschreibt Frank Drieschner.
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CANCÚN. Es muss wie die Landung Außerirdischer gewirkt haben: In einem Slum, vielleicht zwanzig Kilometer vom mexikanischen Cancún entfernt, schiebt sich eine Karawane aus drei strahlend weißen Shuttle-Bussen über die Buckelpiste. Sie halten neben der örtlichen Grundschule, die aus zwei Baracken besteht, zwischen ihnen eine Fläche aus Beton: der Schulhof. Hunderte von Schulkindern und etliche Eltern bejubeln alsdann den Einzug einer kleinen Delegation, bestehend aus: einem britischen Viscount, zwei kasachischen Delegierten der UN-Klimakonferenz, die gerade in Cancún stattfindet, zwei Amerikanerinnen, die offenbar der Tea-Party-Bewegung nahestehen, ein paar weiteren Delegierten und einigen Vertretern einer NGO namens CFACT. Ein deutscher Journalist war auch dabei. Gerne wäre er in den Boden versunken.

Preisfrage: Was hat dieser Auftritt mit dem Klimawandel zu tun?

Die Frage ist etwas leichter zu beantworten, wenn man weiß, was CFACT ist: Eine Organisation mit Sitz in Washington, die sich "für ein konstruktives Morgen" einsetzt und gern mit der Ölindustrie zusammenarbeitet. Darüber hinaus hängt sie der Ansicht an, dass wenige Dinge eine konstruktive Zukunft so sehr behindern, wie das wahnsinnige Anliegen einiger linker Ökos, den Klimawandel zu bekämpfen und dabei womöglich den Gebrauch fossiler Energieträger zu beschränken.

Als die Busse bei der Schule in La Liberdad eintreffen, hat die kleine Reisegesellschaft bereits ausführlich Gelegenheit gehabt, den Ausführungen von Sir Christopher Monckton über Fragen des Klimawandels und der Weltpolitik im Allgemeinen zu lauschen. CFACT mag bisweilen etwas diffus sein, was die Zusammenarbeit mit der Ölindustrie betrifft. Sir Monckton hingegen macht keinerlei Geheimnis daraus, dass er in diesen Kreisen ein geschätzter Redner ist.

Ansonsten tut man ihm wahrscheinlich kein Unrecht, wenn man sein Weltbild, nun, exzentrisch nennt. Sir Monckton hängt der Ansicht an, dass marxistische Mainstream-Medien in enger Zusammenarbeit mit marxistischen Politikern und korrupten marxistischen Wissenschaftlern eine gigantische Klimaverschwörung angezettelt hätten, deren Ziel nicht weniger als die Weltherrschaft sei. Wie das gehen solle?

Nun, sagt Sir Monckton, all die Hilfsmittel für Klimaopfer in armen Ländern, die unbedarfte Zeitgenossen vielleicht für echte Unterstützung angesichts einer echten Notlage halten könnten, seien doch in Wahrheit nichts als ein gewaltiger Machtfaktor in der Hand einer undemokratischen Institution, der UN. "Permasozialismus" nennt er das Phänomen, das er da entdeckt zu haben meint: Das Heranwachsen gigantischer, nicht legitimierter und nicht steuerbarer Herrschaftsapparate. Typisches Beispiel: Die EU, die er eine "Diktatur" nennt.

Aber Sir Monckton! Die EU ist doch ein freiwilliger Zusammenschluss demokratischer Staaten. Und hier in Cancún verhandeln, jedenfalls im Namen der Demokratien, die Vertreter gewählter Regierungen. Den Viscount irritiert dieser Einwand nicht: Habe sich irgendeiner der Delegierten bei dieser UN-Klimakonferenz denn je einer Wahl stellen müssen? Na also!

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Kommentare zu " Klimagipfel in Cancún: Wenn Klimaskeptiker gegen die Weltverschwörung kämpfen"

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  • Das war irgendwie zu erwarten: Wenn man die im Alleinbesitz der Wahrheit sich wähnende Cfact-Sympathisantenszene, zu der auch das "institut" Eike zu zählen ist, provoziert, wird massiv zurückgekeilt.

    immerhin produzieren die selbst ernannten "Klimarealisten" immer wieder originelle Thesen wie etwa die, dass eine Verteuerung fossiler Energie nur zu einer vermehrten Verschwendung derselben führe. Wie das? Nun, wer immer teures Heizöl kaufen müsse, habe das Geld schon ausgegeben, mit dem er sonst sein Haus isolieren lassen könnte. (Warum jemand aber sein Haus sanieren lassen sollte, solange der brennstoff billig ist, sagen diese Marktwirtschaftskoryphäen natürlich nicht.)

    Kleiner Hinweis für Handelsblatt-Leser, denen die populistischen Thesen der international als "Denialists" bekannten Hasser erneuerbarer Energien trotz allem plausibel erscheinen mögen: Vergleichen Sie einfach mal den Diskussions- und Argumentationsstil auf deren internetseiten mit dem der Gegenseite. Die Polemik, die aus den ersten Leserbriefen hier quillt, erscheint mir charakteristisch. Dafür, dass diese meist älteren Herren (mir sind bisher zumindest noch keine Damen aufgefallen) bei jeder Gelegenheit ihre akademischen Würden zur Schau stellen, ist ihr rhetorisches Strickmuster oft erstaunlich primitiv: Wer anderer Ansicht ist oder Experten mit anderer Lehrmeinung für glaubwürdiger hält, wird als dumm oder ungebildet beschimpft. Wenn diese mit dem Anspruch intellektueller Überlegenheit auftretenden ingenieure et. al. einen Nicht-Physiker wie mich überzeugen wollen, dass sie Recht haben, stellen sie sich also reichlich ungeschickt an. ich habe gelernt: Wer schreit, hat Unrecht. Wer Recht hat, kann sich Sachlichkeit leisten.

    Zum Vergleich mit den Ausfällen der geifernden Herren bietet sich die Website "skepticalscience" (dot com) an (Original englisch; deutsche Version über Flaggensymbol erreichbar).

  • Hexenjagd auf wissenschaftlich und noch klar denkende intellektuelle findet nun auch im Handelsblatt statt... sehr traurig !
    Schon der begriff "Klimaskeptiker"... warum nicht gleich "Klimaleugner" = "Holocaustleugner" ?

    Je mehr sich das ganze CO2 Geschwafel als komplette Ente entpuppt, desto krampfhafter versuchen alle moeglichen Nichts-Wisser daran festzukrallen ? Kennt man aus der Geschichte als die Erde noch eine Scheibe war.... Nur witzig dass dies im 21. Jahrhundert immer noch so ist. Die Argumente der menschengemachten Klimaerwaermung sind so fadenscheinig dass jeder Gymnasiast der ein wenig in Chemie und Physik aufgepasst haette den bloedsinn entlarven koennte. Aber dank PiSA haben wirs ja schriftlich dass die Deutschen dumm sind ... und von der Regierung auch moeglichst dumm gehalten werden sollen um kraeftig abkassieren zu koennen.

  • Und wenn man lesen will, was Lord Monckton wirklich vorgetragen hat, dann suche man nach: "The abdication of the West", allerdings Englisch.

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