Klimakiller
Kohlendioxid wird zum Rohstoff

Das Klima retten und gleichzeitig jede Menge Geld verdienen. Das ist die Vision von Wissenschaftlern, die sich mit der Zukunft von Kohlendioxid befassen. Der Klimakiller ist reichlich verhanden. Er strömt tonnenweise aus Schornsteinen. Können findige Forscher bald nützliche Dinge daraus herstellen?
  • 5

DÜSSELDORF. Aus den Fabrikschloten steigt schon lange kein Rauch mehr auf. Viel zu schade wäre es, das Kohlendioxid entweichen zu lassen. Aus dem, was einst ein lästiges Abgas war, werden nun Kunststoffe, Farben und Medikamente gemacht – und vor allem wird der Klimawandel entscheidend gebremst.

Zugegeben, diese Sätze sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine schöne Zukunftsmusik. Doch den darin steckenden Wunschgedanken verfolgt eine Reihe von Chemikern schon jetzt mit großem Ernst.

Sie wollen das unliebsame Treibhausgas zum Rohstoff avancieren lassen, um daraus wertvolle Produkte erzeugen zu können. Auch Politiker haben die wundersame Wandlung als Zukunftschance erkannt. Im Juli startete das Bundesforschungsministerium ein Programm, um aus „Aschenputtel eine Prinzessin“ zu machen, wie Staatssekretär Frieder Meyer-Kramer es lyrisch umschrieb. Firmen und Forscher können für fünf Jahre mit 100 Millionen Euro als Mittel zu diesem Zweck rechnen. Wird die Chemieindustrie am Ende zum Klimaretter?

Bis dato verbrauchen nur wenige Chemiefabriken das Treibhausgas. Den mit Abstand größten Beitrag leistet die Erzeugung von Stickstoffdünger. 70 Millionen Tonnen Kohlendioxid reagieren jedes Jahr mit stechend riechendem Ammoniak, um den Stoff entstehen zu lassen, der Weizen und Wein üppig wachsen lässt. Gut für das Klima, weil CO2 verbrauchend, ist auch die Produktion von Aspirintabletten. „Das sind aber keine Mengen, die im Vergleich zu den Gesamtemissionen ins Gewicht fallen“, stellt Walter Leitner vom Institut für Technische und Makromolekulare Chemie der Technischen Hochschule Aachen klar. „Es besteht ein erheblicher Forschungsbedarf.“

Man schickt sich an, eine harte Nuss zu knacken. Denn Kohlendioxid ist ein höchst widerspenstiger Reaktionspartner. Das unsichtbare und geruchlose Gas ist ausgesprochen energiearm und träge. Es muss zur Reaktion gezwungen werden. Dazu bedarf es entweder großer Mengen Energie oder reaktionsfreudiger Partner. Beide Möglichkeiten drücken aber auf die Energiebilanz eines chemischen Prozesses und schwächen den Klimaschutzeffekt. Damit überhaupt Bewegung in ein Chemikalienduo aus Kohlendioxid und Co. kommt, muss also zusätzlich ein Katalysator zugegen sein, der gewissermaßen die Hemmschwelle senkt, sich miteinander einzulassen.

Seite 1:

Kohlendioxid wird zum Rohstoff

Seite 2:

Kommentare zu " Klimakiller: Kohlendioxid wird zum Rohstoff"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Trotzdem Klimawandel macht keinen Halt.

    Dass die Schornsteine der Chemiekonzerne immer sauberer werden das begrüße ich.

    Aber!

    Zukunftstrends der Luftbereinigung sind noch lange nicht als erledigt zu betrachten.
    Luftverschmutzung!

    Die Folgen für Klima und Natur sind erheblich, aber auch Gesundheit der Menschen wird stark belastet. Nach einer berechnung der deutschen Umweltministerien hinsichtlich Krebstoten durch Luftverunreinigungen, wird es pro 100.000 Einwohnerinnen in ländlichen Gebiete 15,in ballungsgebieten 80,in stark befahrenen wie z.b. in berlin berliner Straße 490 zusätzliche Krebsfälle durch Außenluftschadstoffe geben.

    Der Verursacher von 80 Prozent aller krebserregenden Stoffe in der Außenluft ist Kraftfahrzeugverkehr, Flugzeuge.

    Eine Steuer auf Kerosin, sei durchaus auf nationaler Ebene möglich, wenn dies nur die
    Fluggesellschaften beträfen, die innerhalb Deutschlands Flüge anböten.

    Die Tatsache, dass Fluggesellschaften keine Abgaben auf Kerosin zahlten, werde ausgenutzt, um noch
    billigere Flugtickets anzubieten.
    "Damit findet zwar eine starke Kundenbindung statt, aber letztendlich
    zahlen die bürgerinnen und bürger dann doch die Zeche, weil der Klimawandel hohe Folgekosten verursacht“.
    Zudem gerate die bahn durch diese Regelung wirtschaftspolitisch ins Hintertreffen:
    "Es ist wettbewerbsrechtlich äußerst zweifelhaft, warum die Deutsche bahn, die eine umweltfreundliche
    Alternative des Reisens anbietet, Stromsteuern zahlen muss“.
    Als beispiel, dass ein Reisender, der von berlin nach München und zurück fliegt, rund 50 Euro spart, da keine Steuer anfalle.
    "Die bundesregierung ist aufgefordert, ganz schnell Gesetze zu ändern. Denn nur ein fairer Wettbewerb schafft Chancengleichheit – auch zugunsten der Umwelt".
    in den nächsten Jahren werde global mit einer Verdoppelung der Passagierkilometer gerechnet, was trotz sparsamer Flugzeuge in einer Zunahme Treibstoffverbrauch um 50 Prozent bedeutet. Setzten sich die laufenden Trends fort, dann werden Flugzeuge in Zukunft für immer mehr und immer kürzere Wege verwendet. Die EU fördert aus diesem Grund den Ausbau der Regionalflughäfen. Von Deregulierung der Kapazitätsgrenzen die bis 1993 festgeschrieben waren, erwarten Expertinnen eine Vervielfachung des Verkehrs auf den Hauptruten. Wo heute noch fünf große Flugzeuge pro Tag unterwegs sind, werden in Zukunft wohl zehn kleinere fliegen.

    Die Natur und Planet braucht uns nicht AbER WiR bRAUCHEN DEN PLANETEN:

    > Wir alle müssen etwas tun, egal ob als einziger > Mensch, als großes Unternehmen oder Regierung!

    > Der Klimawandel ist die größte bedrohung der wir > am Anfang des 21 Jahrhundert gegenübersteht!

    > Klimawandel ist kein Problem der Zukunft. Er > passiert HiER und JETZT!

    > Uns alle sollte Erkenntnis anspornen dass wir > mit selbstlosen Einsatz viel erreichen können!

    Mfg

  • Oh Gott, lass es Hirn regnen. Und eine Menge 2. Hauptsatz dazu.

    Die Spaltung benötigt Energie. Diese wird durch Verbrennung erzeugt. Dabei entsteht mehr CO2 als durch die beschriebenen Prozesse gebunden werden kann.

    Auch der Weg über den Einsatz regenerativer Energien ist nicht plausibel. Diese werden nämlich effektiver zur Vermeidung von Verbrennungsprozessen eingesetzt.
    Da werden mal wieder sinnlos Forschungsgelder verpulvert.

  • "Dann würde die branche nicht nur die Erderwärmung bremsen, sondern auch weit mehr Kohlendioxid verbrauchen, als sie selbst freisetzt."

    Ganz interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Klimabilanz der bASF SE. bei Einrechnung der Einsparvorteile bei Verwendung der Produkte ergibt sich heute bereits eine positive bilanz von 3:1 für den Klimaschutz.

    Quelle:http://www.basf.com/group/corporate/de/sustainability/environment/climate-protection/carbon-balance

    Das ist doch mal ein vorbildliches Vorgehen oder nicht?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%