Klimakonferenz Doha
Klimagipfel im Land der Umweltsünder

Ausgerechnet Katar ist Gastgeber des UN-Klimagipfels: Durstige Autos gelten hier als Statussymbol, überall surren die Klimaanlagen, Solarstrom ist ein Fremdwort. Doch langsam bekommt der Golfstaat die Folgen zu spüren
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DohaDen Gastgeber eines Weltklimagipfels stellt man sich gemeinhin anders vor. Der Golfstaat Katar widerspricht schon auf den ersten Blick sämtlichen Idealen von Umweltschützern und Klimarettern: Schnellstraßen durchschneiden die karge Wüstenlandschaft, dicke Geländewagen mit hohem Benzinverbrauch fahren darauf. Treibstoff ist hier besonders billig: Benzin kostet umgerechnet gerade mal 20 Cent pro Liter.

Umweltschutz spielt für die Bevölkerung keine Rolle. Leistungsstarke Klimaanlagen arbeiten überall auf Hochtouren. In den Wohnungen, Einkaufszentren und Sportstätten bekämpfen sie die Wüstenhitze, drücken die Temperaturen nach unten, bis es einen fröstelt. Und obwohl an mehr als 350 Tagen im Jahr die Sonne scheint, sucht man vergebens nach Solarzellen auf den Häusern - auch auf Neubauten.

Beim Blick auf die Umweltstatistik des Kleinstaats mit seinen rund 1,8 Millionen Einwohnern kommt Naturfreunden das kalte Grausen. Das Emirat, das etwa halb so groß wie Hessen ist, hat mit rund 40 Tonnen pro Kopf den höchsten Kohlendioxid-Ausstoß der Welt. Grund dafür ist vor allem die Gas-Industrie. Denn Katar ist weltweit der größte Produzent von verflüssigtem Erdgas, eine Technologie mit hohem CO2-Ausstoß.

Doch für den Golfstaat wird das mangelnde Umweltbewusstsein allmählich zum Problem. Die Luftverschmutzung, das Salz im Grundwasser, der drohende Anstieg des Meeresspiegels, all das bereitet dem Emir, Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, zunehmend Kopfschmerzen. So bekam das Land 2008 ein eigenes Umweltministerium.

Ein Jahr später richtete die Regierung eine Konferenz aus, bei der Strategien für die Reduktion von CO2-Emissionen diskutiert wurden. 2022 will Katar die erste „CO2-neutrale“ Fußballweltmeisterschaft veranstalten.

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  • "Das Emirat hat mit rund 40 Tonnen pro Kopf den höchsten Kohlendioxid-Ausstoß der Welt."
    Den braucht es auch, damit endlich das Pflanzenwachstum angeregt wird. Man sieht ja, wie karg es dort ist.

    Die Hohepriester der Klima-Kirche leben schon fein von unserem Geld

  • In der ersten Woche sollen sich angeblich Umweltgruppen treffen, in der zweiten Woche kommen die Minister angereist. Gegen Ende des zweiten Tages ist die Nachrichtenlage noch sehr schwach. Müssen sich die Teilnehmer wegen der Hitze in Doha erst noch akklimatisieren? Vielleicht erlebt dort mancher einen Vorgeschmack auf die drohende sechs Grad Erwärmung? Bin gespannt auf Neuigkeiten!

  • Die Araber werden der deutschen Variante des deutschen "Klimaschutzes" voll und ganz zustimmen. Der deutsche Klimaschutz (im Gegensatz zum traditionellen) besteht darin, CO2 freie Atomkraftwerke abzuschalten und an deren Stelle Kohlekraftwerke und Gaskraftwerke zu bauen, die im Vergleich massenhaft CO2 ausstossen. Zudem erhöhen die deutschen Parteien ganz bewusst den Strompreis, um den Energiespargedanken mit Gewalt durchzusetzen. Damit löst sich auch der Traum von E-Autos in Deutschland in Luft auf, und man wird weiterhin vom Erdöl völlig abhängig sein. Das freut die Ölproduzierenden Staaten, die inzwischen ihre eigene Energieversorgung auf AKW umstellen werden (konkret werden neue AKW gebaut in den Emiraten, Saudi Arabien, Iran, andere haben Pläne)

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