Klimakonferenz
Wie zwei Weltenretter auf Bali herabkamen

Australiens Premierminister Kevin Rudd und sein Umweltminister, Ex-Rockstar Peter Garrett, sind die eigentlichen Stars der Weltklimakonferenz von Bali - sogar Al Gore und Sigmar Gabriel sind gegen die beiden ohne jede Chance. Eine Handelsblatt-Reportage.

NUSA DUA. Auf Bali wird es nun endlich ernst, so ernst, dass die zur Uno-Klimakonferenz angereisten Profipolitiker aus 187 Staaten die für Politiker so typische, strenge Miene aufsetzen, die professionell Besorgnis ausdrücken soll. Nur Peter Garrett strahlt. Der frischgebackene Umweltminister Australiens lächelt sich fröhlich durch die durchaus nicht kurzweilige Megaveranstaltung voller Vorträge, Statements und Reden. Peter Garrett kaut Kaugummi - so beginnt seine zweite große Karriere.

Es ist Mittwoch, kurz vor zehn Uhr. Gleich beginnt das Ministersegment der Weltklimakonferenz, endlich wird richtig darüber verhandelt, wie die Welt vor dem Klimakollaps gerettet werden kann. Garrett bahnt sich den Weg in den größten Saal des Westin-Hotels von Nusa Dua, wo die Welt seit anderthalb Wochen um Kompromisse ringt. Gleich wird Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon die Teilnehmer in einem dramatischen Appell auf einen Erfolg einschwören: "Dies ist ein historischer Moment. Wir müssen uns der entscheidenden Herausforderung unserer Zeit stellen."

Garrett wird lächeln. Er ist mit seinem Vorgesetzten Kevin Rudd nach Bali gekommen. Und die beiden Männer werden gefeiert, als seien sie allein die Retter des Weltklimas - der auf der Welt noch kaum bekannte australische Premierminister Kevin Rudd und sein weltberühmter Minister Peter Garrett.

Beide stehen für einen Wendepunkt in der Geschichte Australiens - und für viele Klimaschützer auch in der Geschichte der Welt. An seinem ersten Amsttag ratifizierte Rudd das Kyoto-Protokoll - und versetzte die Klimaschützer in Verzückung.

Entsprechend werden die Australier in Bali hofiert. Rudd darf nach dem Uno-Generalsekretär, dem Präsidenten des Gastgeberlandes Indonesien, Susilo Bambang Yudhoyono, und dem Chef des Uno-Klimasekretariats, Yvo de Boer, ans Rednerpult. Rudd genießt die Messiasrolle. Im zweiten Satz schon erinnert er an seine Kyoto-Entscheidung - und erntet lang anhaltenden Applaus. Garrett kennt das Gefühl, beklatscht zu werden. Der Minister sitzt in der zweiten Reihe und lächelt.

Ihr Klima-Coup hat die Dynamik der Konferenz verändert. Nun sind die Vereinigten Staaten das einzige Industrieland, das das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert hat. Die USA isoliert: Peter Garrett gefällt das. Er hat die Amerikaner nie gemocht.

Sein Chef Kevin Rudd sagt derweil das, was sein Publikum in Bali hören will: "Es gibt keinen ,Plan B?. Niemand von uns kann auf einen anderen Planeten ausweichen." Und er kündigt Großes an: Australien werde die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2000 bis 2050 um 60 Prozent reduzieren. Und, fügt der Premierminister noch an, das sei keine politische Proklamation, das sei sein festes Ziel.

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