Klimaorakel
Wann wird das erste Kernfusionskraftwerk in Betrieb gehen?

Leser fragen – Klima-Experten antworten. Diese Woche hat Manfred Giesel aus Worpswede nachgefragt, Ralph P. Schorn vom Forschungszentrum Jülich antwortet ihm.

Kernfusion funktioniert bereits seit 1997 – jedenfalls als Grundprinzip. Damals hat das bis heute weltweit führende Fusionsexperiment JET ("Joint European Torus") gezeigt, dass Fusion machbar ist: Etwa 70 Prozent der in JET investierten Energie konnte als Fusionsenergie wieder zurück gewonnen werden – leider nur für wenige Sekunden.

Die nächsten Schritte auf dem Weg zur Kernfusion wird 2018 in Betrieb gehen. Dann nimmt in Cadarache in Südfrankreich der Versuchs-Fusionsreaktor ITER – lateinisch für "Weg" – seine Arbeit auf. Beteiligt sind die Europäische Union, USA, Russland, China, Indien, Japan und Südkorea.

Damit soll gezeigt werden, dass Fusion nicht nur prinzipiell, sondern auch im Kraftwerksmaßstab und im Dauerbetrieb machbar ist. Bereits heute werden dazu zusammen mit der Industrie Komponenten entwickelt und gebaut – unter anderem bei den Fusionsforschungsinstituten der Helmholtz-Gemeinschaft in Jülich, Karlsruhe und Garching bei München.

Während ITER mit seinen 500 Millionen Watt Fusionsleistung immer noch ein Experiment sein wird, strebt die Europäische Union den Bau eines ersten wirklichen Fusionskraftwerks an. DEMO – wie sein Name heute schon lautet – soll die Wirtschaftlichkeit von Fusionsenergie demonstrieren. Um das Jahr 2035 soll es in Betrieb gehen – ähnlich wie heutige Großkraftwerke (Kohle, Gas, Atom) mit einer Leistung von einem Gigawatt. Ab etwa 2050 soll die Kernfusion dann als eine ganz normale Komponente im Energiemix zur Verfügung stehen.

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