Klimapolitik der G7
Das unverbindliche Jahrhundertversprechen

Kommt jetzt Bewegung in die globale Klimapolitik? Umweltschützer feiern das „Jahrhundertversprechen“ von Elmau. Doch Skepsis ist angebracht, denn schon einmal folgte auf die Klimaschutz-Euphorie der große Kater.
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BerlinMit Versprechen ist es so eine Sache. Auf Schloss Elmau passte das neue G7-Ziel, „im Laufe dieses Jahrhunderts“ auf die Nutzung von Öl, Kohle und Gas zu verzichten, wunderbar zur malerischen Alpenkulisse. Aber weder Angela Merkel noch Barack Obama werden als Politiker erleben, ob dieses Jahrhundertversprechen tatsächlich eingehalten wird.

Auch wenn Umweltschützer nun feiern, weil die vermeintliche „Klimakanzlerin“ Merkel ihren G7-Partnern das Bekenntnis zur schrittweisen „Dekarbonisierung“, also zur Abkehr von klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) verursachenden Energieträgern, abtrotzte – erreicht ist damit gar nichts. Entscheidend wird die Frage sein, auf welche Maßnahmen sich die Weltgemeinschaft auf der Klimakonferenz in Paris Ende des Jahres einigen kann.

Im italienischen L'Aquila gab es 2009 eine ähnliche Aufbruchsstimmung wie durch Elmau. Auch damals stand ein entscheidender Klimagipfel an, der in Kopenhagen. Im Abschlussdokument der G8-Staaten (damals durfte Russland noch dabei sein) hieß es seinerzeit: „Wir erkennen den weit verbreiteten  wissenschaftlichen Standpunkt an, dass die globale  Durchschnittstemperatur nicht um mehr als zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau ansteigen sollte.“ Der Klimagipfel von Kopenhagen scheiterte dann bekanntlich.

In Elmau wurde nun das Zwei-Grad-Ziel erneut bekräftigt. Es ist eine vage Absichtserklärung, mehr nicht. Ob es zu schaffen ist, daran zweifeln Klimaforscher. Zudem ist auch die so griffige Zwei-Grad-Marke unter Wissenschaftlern keineswegs unumstritten.

„Begrabt das Zwei-Grad-Ziel“ titelten beispielsweise vor wenigen Monaten zwei US-Forscher im Wissenschaftsmagazin „Nature“. Für Charles Kennel, emeritierter Direktor der Scripps Institution of Oceanography in San Diego, und David Victor von der University of California in San Diego ist das Zwei-Grad-Ziel eine „dreiste Vereinfachung“, die „politisch und wissenschaftlich“ in die falsche Richtung führe.

Politisch, weil es Politikern erlaube, sich unverbindlich an einer künftigen Entwicklung abzuarbeiten und so davon abzulenken, dass sie die heute bereits konkret bestehenden Umweltprobleme nicht anpacken. Und wissenschaftlich, weil die globale Durchschnittstemperatur nur bedingt als Indikator für globale Klimaveränderungen tauge. So heize sich etwa die Arktis ungebremst auf, obwohl die Mitteltemperatur der Erde in den vergangenen Jahren kaum anstieg.

Für völlig abwegig halten Kennel und Victor zudem die „heroischen Annahmen“, die den Simulationen zum Zwei-Grad-Ziel zugrunde liegen – also etwa die Vorgabe einer umfassenden und kurzfristig umzusetzenden Zusammenarbeit aller Staaten, um den Ausstoß an Treibhausgasen zu minimieren. Allein schon der Energiehunger bei wachsender Weltbevölkerung macht es so schwer, Kohle und Öl, die Hauptverursacher des Klimawandels, verstärkt im Boden zu lassen. Nun lautet aber das neue G7-Ziel, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 im Vergleich zu 2010 um „40 bis 70 Prozent zu reduzieren“.

Die dafür notwendige internationale Zusammenarbeit müsste rasch realisiert werden, denn der Spielraum wird immer enger: Seit dem Beginn der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts sind die globalen Temperaturen bereits um 0,8 Grad Celsius gestiegen. Das Zwei-Grad-Ziel ist also eigentlich nur noch ein 1,2-Grad-Ziel.

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Der Treibhausgas-Ausstoß eilt von Rekord zu Rekord

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