Klimapolitik
Versorger profitieren von CO2-Kosten

Bis 2050 will die Politik die CO2-Emmissionen um 80 Prozent senken, und so das Klima entlasten. Forscher haben nun untersucht, wer zu den Gewinnern dieser neuen Klimapolitik gehört und kommen zu einem erstaunlichen Ergebnis: Besonders die Energieversorger könnten von einem steigenden CO2-Preis profitieren.
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BERLIN. Eine ehrgeizige Klimapolitik erweist sich vielfach als das wirtschaftlichste Szenario für Energieversorger und Investoren. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine Studie von WestLB und dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (Pik), gestern vorgestellt auf einer Konferenz der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Entgegen weit verbreiteter Auffassung seien hohe CO2-Preise vorteilhaft für EnBW, Eon, RWE und Vattenfall, heißt es, auch weil sie mittelfristig das Investitionsklima verbesserten.

Die Stromwirtschaft drohe wegen sinkender Margen und Investitionsunsicherheiten den Ruf als Branche mit geringen Risiken und hohen Erträgen zu verlieren, besagt die vom Bundesforschungsministerium geförderte Studie. Der überalterte Kraftwerkspark erfordere erhebliche Investitionen in neue Kraftwerke, aber unter heutigen Rahmenbedingungen rechneten sich Investitionen in neue fossile Großkraftwerke oft nicht mehr. "Bei niedrigen CO2-Preisen zeigen sich deutliche Rentabilitätsprobleme", sagt Hendrik Garz, Analyst der WestLB.

Im Gegensatz zur gängigen Meinung sei der Barwert der bestehenden Portfolios - die vier Versorger besitzen 70 Prozent der deutschen Kraftwerkskapazitäten - meist umso größer, je höher der künftige CO2-Preis sei. Dafür seien Atom- und Braunkohlekraftwerke entscheidend. Kein Wunder sei, dass die Konzerne sie gegenüber der Politik so vehement verteidigten, sagte Garz.

Neue Gaskraftwerke seien nur bei hohen CO2-Preisen wirtschaftlich, Steinkohlekraftwerke erwiesen sich selbst dann als unrentabel. Lediglich Braunkohlekraftwerke mit CCS-Technik lohnten sich bei niedrigeren Emissionspreisen und könnten aus der CO2-Falle helfen. CCS steht für "Carbon Capture and Storage", die umstrittene Abspaltung und unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid. Sie wird erst getestet. Braunkohle hat die höchsten Treibhausgasemissionen aller Energieträger.

Investitionen in erneuerbare Energien seien dagegen wirtschaftlich richtig. "Ein ,grünes Kraftwerk? als Kombination mehrerer erneuerbarer Energietechniken erweist sich als rentabel", sagte Rainald Ötsch von der Uni Potsdam. Die 114 Bestandskraftwerke würden bis Ende ihrer wirtschaftlichen Lebensdauer 4,9 Mrd. Tonnen CO2 emittieren.

Bei der angepeilten Emissionsverminderung für Deutschland um 80 Prozent bis 2050 dürften jedoch nur noch 64 Mio. Tonnen CO2 emittiert werden. Schon fünf neue große Kohlekraftwerke würden das Emissionsbudget ausschöpfen. Die geplanten, teils im Bau befindlichen 30 seien mit der Klimapolitik nur vereinbar, wenn neue Anlagen vorzeitig abgeschaltet oder mit CCS nachgerüstet werden. "Es ist mehr als fraglich, ob sich dies für die Betreiber rechnet", warnte Garz.

Bei einer Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke auf 40 Jahre ergäben sich Mehreinnahmen von insgesamt 21 Mrd. Euro. Die zusätzlichen Cash-Flows könnten erst nach und nach aber ab 2011 angezapft werden und den Kunden zugute kommen.

Susanne Bergius
Susanne Bergius
/ selbstständige Journalistin

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