Klimaschutz
Mit zwei Jahren Verspätung auf den Klimapfad

Was bedeutet die Einigung der G-8-Regierungschefs auf das Zwei-Grad-Klimaziel? Vor allem eins: Die letzten Hintertürchen in Sachen Klimaschutz wurden geschlossen - zumindest bei den langfristigen Zielen.
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HB BERLIN/L'AQUILA. Schon vor zwei Jahren kämpfte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm verbissen für ein Ziel: Die größten Industrieländer sollten sich dazu bekennen, dass die globale Temperatur im Mittel in diesem Jahrhundert um nicht mehr als zwei Grad ansteigen darf. Damals leistete jedoch US-Präsident George W. Bush erbitterten Widerstand.

Mit seinem Nachfolger Barack Obama ging es im italienischen L'Aquila dann doch. Und auch von den großen Schwellenländern wie China, Indien, Brasilien und Südafrika kommt Unterstützung: Das Zwei-Grad-Ziel ist nun offiziell. Für viele Klimaexperten ist dies ein „entscheidender Schritt“, wie es der Wissenschaftler Hans-Joachim Schellnhuber am Donnerstag formulierte.

Denn das Ziel gilt vielen als eine Art Überbau, aus dem alles andere für den Klimaschutz folgt. Dieser sei „angewandte Physik“, sagte Umweltminister Sigmar Gabriel diese Woche in einer Grundsatzrede: „Um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, muss weltweit die Emission der Treibhausgase bis 2050 gegenüber 1990 halbiert und die der Industriestaaten um mehr als 80 Prozent reduziert werden.“

Das wiederum gilt als Stand der Wissenschaft, wie er vom Weltklimarat IPCC 2007 in mehreren Aufsehen erregenden Berichten festgehalten wurde. Nach Feststellung der dort versammelten führenden Klimaforscher der Welt bleiben die Folgen des Klimawandels nur dann einigermaßen erträglich, wenn der Anstieg der Temperatur auf zwei Grad begrenzt wird. Maßstab ist in der Regel die Temperatur zu Beginn der Industrialisierung 1890.

Seitdem ist die Durchschnittstemperatur bereits um etwa ein Grad gestiegen. Wenn nichts getan wird, könnte es bis 2100 um bis zu 6,4 Grad wärmer auf der Erde werden - mit unabsehbaren Folgen. Sollte die Zwei-Grad-Marke überschritten werden, wären vor allem die ärmsten Länder von Hunger, Wassermangel, Stürmen und Überschwemmungen betroffen. Bis zu 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten wären vom Aussterben bedroht.

Selbst wenn es gelänge, das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, bleibt die Welt mitnichten heil. So rechnen die Wissenschaftler damit, dass im Jahr 2050 bis zu zwei Mrd. Menschen von Wasserknappheit bedroht wären. Einige Gebiete der Erde würden trotzdem unbewohnbar. So werben zum Beispiel die kleinen Inselstaaten wie die Malediven oder Tuvalu in den internationalen Klimaverhandlungen für ein ambitionierteres Klimaziel von nicht mehr als 1,5 Grad Erwärmung - weil sie sonst schlicht untergehen.

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