Klimaschutz
Schwierige Suche nach der richtigen Waffe

Kohlendioxid versenken, Sonnenstrahlung spiegeln, Atmosphäre impfen, Meere düngen - im Kampf gegen die Aufheizung der Erde werden viele Möglichkeiten diskutiert. Denn Energiesparen allein wird uns wohl nicht retten. Doch welche Methoden helfen wirklich und ohne Risiko?

HEIDELBERG. Der Befund ist eindeutig: 1000 Jahre lang blieben uns die klimatischen Folgen der heute ausgestoßenen Treibhausgase noch erhalten, selbst wenn wir ab sofort kein zusätzliches Kohlendioxid (CO2) oder Methan mehr in die Atmosphäre blasen würden. Entsprechende Untersuchungen präsentierte Anfang der Woche ein Team von Klimaforschern im renommierten Fachblatt PNAS (Handelsblatt.com berichtete).

Wie der Planet im Jahr 3000 aussähe, darüber gibt die Studie keine Auskunft: Niemand weiß, wie schnell sich Mensch und Natur an die heute schon ablaufenden klimatischen Veränderungen anpassen können. Viele Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass der Wandel zu rasch abläuft, als dass die Entwicklung von Flora und Fauna Schritt halten könnte. Es muss also gehandelt werden, um die Aufheizung der Erde zumindest zu verlangsamen. Nur wie?

Als einfachste und naheliegendste Lösung gilt, Energie zu sparen und auf alternative Quellen wie Sonne, Wind oder Erdwärme umzusteigen. Angesichts der Kosten und Widerstände der Öffentlichkeit sowie der allgemein trägen Reaktion der Menschheit könnte dies allerdings zu lange dauern. Fachleute und Politiker diskutieren deshalb auch immer wieder das so genannte Geo-Engineering, also technische Maßnahmen, um die Erwärmung einzudämmen. Eine Reihe davon haben nun Tim Lenton und Nem Vaughan von der University of East Anglia im britischen Norwich auf ihre Machbarkeit abgeklopft.

Ein Projekt unter deutscher Beteiligung hat in dieser Woche größere öffentliche Anteilnahme erfahren: Die Düngung der Meere mit Eisen, um künstliche Algenblüten auszulösen. Die Algen sollen Kohlenstoff aus der Luft aufnehmen, nach ihrem Absterben in die Tiefsee verfrachten und dem System für längere Zeit entziehen. Konsequent angewendet, ließe sich die Senkenkapazität der Ozeane damit erhöhen - ein natürlicher Prozess, der mancherorts seit Jahrmillionen stattfindet. Eine grundlegende Voraussetzung ist jedoch ein entsprechendes Algenwachstum, an dem es aber großflächig mangelt.

Über weite ozeanische Gebiete hinweg schweben zwar genügend gelöste Nährstoffe durch das Wasser, die den mikroskopisch kleinen Pflanzen eine Lebensbasis bieten könnten. Doch mangelt es ihnen meist an einem essenziellen Element: Eisen. Ohne dieses Metall ist ihre Vitalität gehemmt - und ihre fotosynthetische Leistungsfähigkeit bleibt hinter dem theoretisch möglichen zurück. Es läge also nahe, dem Meer Eisen künstlich zuzuführen, das Algenwachstum dadurch zu stützen und so den Planeten vor Überhitzung zu schützen, meinen viele Forscher.

Mehrere Versuche in dieser Richtung wurden bereits unternommen. Das jüngste Experiment des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven etwa soll im Südatlantik großflächig Eisendünger ausbringen, um die biochemische Reaktion des Meeres zu testen. Es geriet jedoch in die Mühlen von Umweltverbänden, Bundesumwelt- und Bundesforschungsministerium. Erst nach langem Hin und Her erhielten sie die Genehmigung, ihren Versuch durchzuführen - unter weiterhin lautem Protest von Naturschützern, die eine auch von Deutschland ausgehandelte Konvention der Vereinten Nationen gegen diese Art der Ozeanmanipulation verletzt sehen.

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