Klimawandel
Eine Scheindebatte

Schmelzendes Polareis, steigende Meeresspiegel: Immer neue Schreckensmeldungen über die dramatische Entwicklung des Weltklimas durchziehen die Medien. Doch im Fernsehen, in Magazinen und Tageszeitungen häufen sich auch die Wortmeldungen von Skeptikern des Klimawandels. Wissenschaftler vermissen bei ihnen jede Sachkenntnis.

DÜSSELDORF. Vermutlich ist der Zeitungsleser oder Fernsehzuschauer von den immer neuen Schreckensmeldungen über schmelzendes Polareis und steigende Meeresspiegel einfach ermüdet. Vielleicht liest und sieht er deshalb gerne Berichte selbst ernannter „Skeptiker“, die behaupten, dass sich das Klima heute tatsächlich gar nicht stärker verändert als im Verlauf der letzten Jahrmillionen.

Zu den Skeptikern gehören Christian Bartsch, Günter Ederer, Matthias Horx, Wolf Lotter, Dirk Maxeiner, Josef Reichholf und Wolfram Weimer. In einem Beitrag für die „FAZ“ werfen sie namhaften Wissenschaftlern wie etwa Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung vor, „Untergangsterror“ zu verbreiten und ihre wissenschaftliche Autorität zu missbrauchen. Die Autoren – vier davon sind Journalisten, kein einziger ist Klimatologe – werfen Rahmstorf die „fanatische Verfolgung Andersdenkender“ vor.

„Eine Diskussion bringt nur dann Erkenntnisgewinn, wenn sie intellektuell redlich und auf Basis korrekter Fakten geführt wird“, hält der Gescholtene seinen Kritikern entgegen. „Die ehrlichen Argumente sind den Klimaskeptikern aber längst ausgegangen.“ Rahmstorf spricht sogar von einer „künstlich am Leben gehaltenen Scheindebatte“. Diese verleite die Öffentlichkeit zu der irrigen Annahme, der Klimawandel oder dessen menschliche Ursachen seien unter Experten umstritten. Und das wiederum behindere und verzögere eine effektive Klimaschutzpolitik.

In Fachzeitschriften melden sich die Skeptiker praktisch nicht mehr zu Wort: „Auf unspektakuläre Weise haben sich mit den länger werdenden Messreihen, unserem zunehmenden Verständnis des Klimasystems und der Verfeinerung der Computermodelle die Indizien für die globale Erwärmung Stück für Stück vermehrt“, schreiben William Collins von der Universität Berkeley und vier weitere Klimatologen in einem Aufsatz in der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“. „Zugleich sind im Laufe der vergangenen 20 Jahre die Belege für die Schuld des Menschen an der Entwicklung unerbittlich gewachsen. In der wissenschaftlichen Gemeinschaft hat sich die Überzeugung, dass tatsächlich ein Klimawandel stattfindet und er noch viel größere Ausmaße annehmen kann, inzwischen bis fast zur Gewissheit verdichtet.“ Die Autoren des Aufsatzes haben wie Rahmstorf und mehrere Hundert andere Forscher am aktuellen Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), des Weltklimarates der Uno, mitgearbeitet.

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