Klimawandel Eisbären werden nicht mehr satt

Mit dem Verlust des arktischen Meereises schwinden die Jagdmöglichkeiten der Eisbären. Sie können ihren Energiebedarf nicht decken und hungern. Der Klimawandel wird die Probleme in Zukunft weiter verschärfen.
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Viele der untersuchten Eisbären verbrauchten mehr Energie, als sie durch ihr Futter wieder aufnahmen. Quelle: dpa
Negative Energiebilanz

Viele der untersuchten Eisbären verbrauchten mehr Energie, als sie durch ihr Futter wieder aufnahmen.

(Foto: dpa)

AnchorageManche Eisbären werden nicht mehr richtig satt. Die Tiere haben einen höheren Energiebedarf als bisher angenommen und wenig Jagderfolg, berichten US-Forscher im Fachmagazin Science. Die Wissenschaftler hatten neun Eisbärweibchen im Polarmeer über Tage hinweg beobachtet und deren Stoffwechsel analysiert.

Dabei stellten sie fest, dass über die Hälfte der Bären abmagerte. Die ohnehin schon gefährdeten Eisbären könnten noch mehr unter Druck geraten, wenn sich wegen des Klimawandels die Jagdbedingungen weiter verschlechterten.

Wo das Meer die Arktis frisst
Arktische Permafrost-Küste
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34 Prozent der Küsten weltweit sind Permafrost-Küsten. Das heißt, der Boden enthält jede Menge gefrorenes Wasser, das die eingelagerten Sedimente wie Zement zusammenhält. Doch in Zeiten des globalen Klimawandels wird dieser Zement brüchig. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
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In den vergangenen Jahren hat sich das Auftauen der Permafrost-Küsten so stark beschleunigt, dass sich das Meer in manchen Regionen über 20 Meter pro Jahr ins Land frisst. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung haben das Phänomen auf der nordkanadischen Permafrost-Insel Herschel Island untersucht und dokumentiert. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
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„Herschel Island verliert pro Jahr bis zu 22 Meter seiner Steilküste. Der aufgetaute Permafrostboden rutscht dann in Form von Schlammlawinen ins Meer und trübt die umgebenden Flachwasserbereiche so großflächig ein, dass die braun-grauen Sedimentfahnen viele Kilometer weit ins Meer hineinreichen“, erläutert AWI-Forscher Michael Fritz. (Foto: AWI/Michael Krautblatter)

An der Küste von Herschel Island
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Taut der Permafrost auf, lösen sich die zuvor im Eis eingeschlossenen Sedimente, Tier- und Pflanzenreste und werden von den Wellen ausgewaschen. Bei diesem Vorgang werden nicht nur die klimarelevanten Treibhausgase Kohlendioxid und Methan freigesetzt. Das erodierte Material enthält auch jede Menge Nähr- und Schadstoffe wie Stickstoff, Phosphor oder Quecksilber. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Satellitenbild von Herschel Island mit gut sichtbaren Sedimentfahnen vor der Küste
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Diese Stoffe gelangen ins Meer, werden dort weiter transportiert, abgebaut oder angereichert und verändern nachhaltig die Lebensbedingungen im Flachwasserbereich. „Die Folgen für das Nahrungsnetz können wir bisher nur erahnen“, sagt Michael Fritz. (Foto: NASA Worldview)

Erodierende Steilküste der Herschel Insel
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Wie sich die Biogeochemie der Küstenzone im Zuge der zunehmenden Erosion verändert und welche Konsequenzen dies für die Ökosysteme, für wichtige Fischgründe und somit am Ende auch für die Menschen in der Arktis hat, ist tatsächlich bislang noch kaum untersucht worden. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Forschungsarbeit an der Küste von Herschel Island
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Vor allem logistische Probleme haben bislang eine genauere Erforschung des Phänomens verhindert. Viele der arktischen Küsten- und Flachwasserzonen sind weder per Auto oder Flugzeug noch mit großen Eisbrechern zu erreichen. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Die Forscher um Anthony Pagano vom Alaska Science Center in Anchorage hatten jeweils im Frühling der Jahre 2014 bis 2016 neun Eisbärweibchen in der kanadischen Polarmeerregion Beaufort Sea eingefangen. Sie bestimmten die Größe und das Gewicht der Tiere sowie verschiedene Stoffwechselwerte in Blut- und Urinproben.

Dann legten sie den Tieren GPS-Halsbänder mit einer Videokamera an und entließen sie wieder in die Freiheit. Nach acht bis elf Tagen fingen die Wissenschaftler die Bären dann erneut ein.

Der berechnete Energieverbrauch der Eisbären in der Studienzeit war 1,6 Mal höher als Forscher bisher angenommen hatten. Mehr als die Hälfte der Bären hatte eine negative Energiebilanz: Die Tiere verbrauchten mehr Energie, als sie durch ihr Futter wieder aufnahmen, und verloren an Körpermasse – vier der Bären sogar mehr als zehn Prozent.

Bislang gingen Experten davon aus, dass Eisbären einen geringeren Energieverbrauch haben, weil sie keine natürlichen Feinde haben und ihre Jagdmethode nicht sehr viel Körpereinsatz fordert: Sie sitzen auf Eisschollen und warten bis eine Robbe zum Atmen auftaucht.

Die Forscher errechneten, dass ein Eisbärweibchen innerhalb von zwölf Tagen eine ausgewachsene Robbe fressen muss, um den Energieverbrauch zumindest auszugleichen. Im Studienzeitraum gelang dies nur vier Tieren. Die restliche Nahrung bestand aus Kadavern und Jungtieren.

Zukünftig werde sich der Energieverbrauch der Tiere noch erhöhen, schreiben die Wissenschaftler. Denn wenn das Eis durch den Klimawandel weiter zurückgeht, müssten die Tiere länger wandern oder schwimmen, um feste Eisschollen zu finden, auf denen sie jagen können.

  • dpa
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2 Kommentare zu "Klimawandel: Eisbären werden nicht mehr satt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich nehme an, dass mein vorangegangener Kommentar wegen der (öko)religiös frevelhaften Ansichten gelöscht wurde.

    Im Artikel wurde die zoologisch interessante Erkenntnis das Eisbären mehr essen als zuvor gedacht mit Ökoreligion/Klimawandel gemischt um so Aufmerksamkeit zu erheischen und finanzielle Mittel zu aquirieren. Ohne die Erwähnung des "Klimawandels" wäre dieser Artikel allenfalls in einer Fachzeitschrift veröffentlicht worden. Die Forschungsbudgets sind abseits ideologisch präferierter Themen knapp.

    Der Klimanobelpreisträger Al Gore hatte 2009 vorhergesagt, dass die Arktis ab 2013 komplett eisfrei sei. Damit beruht die Existenz der Eisbären auf dem arktischen Eis auf dem Glück, dass es sich beim "Klimawandel" um eine fiktive religiöse Weltuntergangskatastrophe analog des auf den Kopf fallenden Himmels der Kelten(Asterix) handelt.

    Eine Analyse meinerseits zu den Schwächen der Hypothese vom Klimawandel findet man auf Bürger für Technik.

  • @Herr Holger Narrog: Wie oft sind Eisbären in der Geschichte ausgestorben?

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