Klimawandel
„Industrieländer stehlen sich aus der Verantwortung“

Kurz vor Ende des Weltklimagipfels in Cancún wird es noch mal heiß: Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber wirft den Industriestaaten vor, sich mit zu geringen Zahlungen an Entwicklungsländer aus der Verantwortung für den Klimawandel zu stehlen und die Empfängerstaaten damit über den Tisch zu ziehen. Hochrangige Politiker und Manager widersprechen.
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CANCÚN. „In der Frage der Anpassung an die Folgen des Klimawandels bilden Industrie- und Entwicklungsländer teilweise eine unselige Komplizenschaft. Wir haben es hier mit einer Art Ablasshandel zu tun“, sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) dem Handelsblatt. Die Industrieländer verschafften sich mit relativ kleine Summen Ruhe. Und die Entwicklungsländer würden die Zahlungen als großen Segen empfinden. Allerdings hätten sie „mangels kompetenter Fachleute in ihren Reihen oft nicht einmal die Chance zu erkennen, dass sie mit den jetzt diskutierten Zahlungen über den Tisch gezogen werden“, sagte Schellnhuber.

Wichtiger Verhandlungsgegenstand

Der Klimaforscher zielt mit seiner Kritik direkt auf den Weltklimagipfel in Cancún ab, der am Freitag zu Ende geht. In Cancún bilden die Zahlungen der Industriestaaten an die Entwicklungsländer einen wichtigen Verhandlungsgegenstand.

Die grundsätzliche Zusage für die Zahlungen war eines der wenigen konkreten Ergebnisse des Kopenhagener Klimagipfels im vergangenen Jahr. Damals verpflichteten sich die Industriestaaten, den Entwicklungsländern für die Anpassung an die heute schon spürbaren Folgen des Klimawandels und zur Bekämpfung seiner Ursachen in den Jahren 2010, 2011 und 2012 insgesamt 30 Milliarden Dollar zu zahlen. Da gerade die Kosten für die Anpassung nach einhelliger Auffassung von Fachleuten in den kommenden Jahren eher noch steigen dürften, wollen die Industriestaaten ab 2020 sogar 100 Milliarden Dollar jährlich bereit stellen. In Cancún geht es unter anderem darum, unter welchen Bedingungen die Gelder verlässlich zur Verfügung gestellt werden können.

Nach Überzeugung Schellnhubers sei den Regierungen vieler Entwicklungsländer nicht annähernd bewusst, vor welche Probleme der Klimawandel sie stelle. „Es gibt Länder, die in den nächsten Jahren möglicherweise 20 bis 25 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in den Küstenschutz werden investieren müssen“, sagte der Forscher.

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