Klimawandel
Klima-Minimalziel nur schwer zu erreichen

Nur ein drastischer Verzicht auf fossile Brennstoffe kann die globale Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzen. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung hervor. Doch das Klimaziel, auf das sich weltweit mehr als 100 Länder geeinigt haben, ist schon jetzt kaum mehr zu erreichen.
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HB FRANKFURT/MAIN. Das von mehr als 100 Staaten angestrebte Klimaziel lässt sich nur noch mit rigorosen Emissionsbeschränkungen erreichen. Wenn die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt werden solle, dürfe bis zum Jahr 2050 nur noch ein Viertel der nachgewiesenen Vorkommen fossiler Brennstoffe verbraucht werden. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie unter Leitung des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), über die das Magazin „Nature“ aktuell berichtet.

Um die Folgen des Klimawandels in Grenzen zu halten, soll die globale Erwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Niveau keinesfalls zwei Grad Celsius überschreiten. 109 der insgesamt 192 unterzeichnenden Staaten der UN-Klimarahmenkonvention haben sich zu diesem Ziel bekannt. „Dabei sollte man nicht vergessen, dass ein Anstieg der globalen Mitteltemperatur um zwei Grad weit über die natürlichen Temperaturschwankungen hinausgehen würde, die das Leben auf der Erde erlebt hat, seit es uns Menschen gibt“, sagt der Potsdamer Klimaforscher Malte Meinshausen.

Aber selbst um dieses Minimalziel zu erreichen, müssten die Emissionen von Treibhausgasen drastisch sinken, wie die von Meinshausen geleitete Studie zeigt: Den Klimaberechnungen zufolge dürften dann zwischen den Jahren 2000 und 2050 nicht mehr 1 000 Mrd. Tonnen Kohlendioxid (CO2) ausgestoßen werden. Aber ein Drittel davon, über 300 Mrd. Tonnen, wurde schon allein in den vergangenen neun Jahren emittiert, wie die Forscher in „Nature“ berichten. Für die Studie wurde auch die Emissionsmenge berechnet, die beim Verbrennen aller wirtschaftlich förderbaren Vorkommen von Öl, Kohle und Gas frei würde. Diese Menge übersteigt das Emissionsbudget bis 2050 um das Vierfache.

Die Ergebnisse sind laut PIK wichtig für die internationalen Verhandlungen über Klimaabkommen. Die Studie zeige „sehr deutlich, dass wir für das Erreichen des Zwei-Grad-Ziels, das viele Länder anstreben, schnell handeln müssen“, erklärte Co-Autorin Sarah Raper von der britischen Manchester Metropolitan University. „Wenn wir fossile Brennstoffe weiter so verbrauchen wie bisher, wird das Kohlenstoff-Budget in nur zwanzig Jahren aufgebraucht sein und die Erwärmung würde weit stärker ausfallen als zwei Grad“, betont Meinshausen. „Nur mit einer schnellen Abkehr von den fossilen Brennstoffen haben wir gute Chancen, eine deutliche Erwärmung zu vermeiden.“

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