Klimawandel macht erfinderisch
Windräder schwimmen auf hoher See

Der Klimawandel macht erfinderisch: Schwimmende Windkraftwerke sollen künftig einen wachsenden Beitrag zur Energieversorgung leisten. Zusammen mit der Siemens Power Generation will der norwegische Energiekonzern Hydro eine erste Offshore-Windkraftanlage dieser Art errichten. Windparks auf dem Meer sind zwar nicht neu - das neue Konzept erweitert jedoch die Möglichkeiten enorm.

STOCKHOLM/DÜSSELDORF. Einen entsprechenden Vertrag haben die Siemens Power Generation und der norwegische Energiekonzern Hydro Ende Juni geschlossen. Hydro verfügt über langjährige Erfahrung beim Bau und Betrieb von Ölplattformen in der Nordsee. Dieses Wissen ist die Basis für die kostengünstige Installation effektiver Windkraftanlagen auch außerhalb der Küstengewässer.

Die bisherigen Windkraftanlagen in küstennahen Gebieten sind am Meeresboden fest installiert. Bei der von Norwegens zweitgrößtem Energiekonzern nach Statoil entwickelten Technik stehen die Kraftwerke nicht auf einem Fundament, sondern schwimmen auf dem Wasser. Die bis zu 120 Meter hohen Betonkonstruktionen werden mit drei Stahltrossen am Meeresboden verankert. Um zu starke Schwingungen zu vermeiden, befindet sich ein etwa zwölf Meter langer Teil der Anlage als Ausgleichspendel der Betonkonstruktion unter der Wasseroberfläche. Ankergewichte sollen für Stabilität bei Sturm und hohem Wellengang sorgen.

"Die neue Technik ermöglicht uns, Windkraftanlagen weiter draußen auf See zu installieren", sagt Lars Nermoen, bei Hydro für die Hywind-Technologie verantwortlich. Als wichtigsten Vorteil gegenüber konventionellen Offshore-Anlagen nennt der Hydro-Experte die nahezu unbegrenzten Platzierungsmöglichkeiten. "Wir können die Anlagen dort aufbauen, wo es die wenigsten Konflikte gibt." In vielen Ländern wächst derzeit der Widerstand gegen große Windkraftparks. "Die Hywind-Anlagen können dort aufgebaut werden, wo man sie nicht sieht, nicht hört, und wo der Wind am allerbesten ist."

Tatsächlich lassen sich die Hywind-Kraftwerke an Standorten mit bis zu 700 Meter Wassertiefe installieren. Hydro hat jahrzehntelange Erfahrungen mit solchen komplizierten Konstruktionen durch das Engagement in den norwegischen Öl- und Gasfeldern, wo mittlerweile die traditionellen Ölplattformen immer häufiger durch am Boden installierten Förderanlagen ersetzt werden - die Tiefe beträgt bis zu 1 000 Meter.

Mit der Errichtung des ersten Prototypen rechnet Nermoen in den kommenden "zwei bis drei Jahren". Eine Genehmigung für eine Testanlage bei der Insel Karmoey im Südwesten Norwegens ist bereits erteilt. Für Nermoen ist die Kooperation mit Siemens Power Generation ein Durchbruch bei der weiteren Entwicklung der bislang nur in einem Marinelabor in Trondheim getesteten Hywind-Technologie. "Siemens ist der führende Hersteller von Offshore-Windturbinen", sagt Nermoen. "Durch die Zusammenarbeit kommen wir einen großen Schritt weiter."

Die erste Anlage wird eine Kapazität von drei Megawatt haben, später sind Varianten mit bis zu fünf Megawatt geplant. Ein Windpark, der bis zu 200 Hywind-Kraftwerke umfasst, könnte also jährlich bis zu vier Terrawattstunden produzieren. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun: "Es wird etwa fünf bis zehn Jahre dauern, bis wir die ersten kommerziellen Anlagen aufbauen", sagt der Hydro-Experte. Die Kosten für die Demonstrationsanlage beziffert Nermoen auf rund 200 Mill. norwegische Kronen (25 Mill. Euro).

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