Klimawandel
Sprudelnder Klimakiller im arktischen Ozean

Der arktische Meeresboden taut auf - und setzt dabei eines der gefährlichsten Treibhausgase frei. Bei einer Erkundung vor der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen stießen Wissenschaftler jetzt auf mehr als 250 Stellen, an denen Methan aus der Tiefe des Ozeans aufsteigt.
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DÜSSELDORF. Vor der Westküste Spitzbergens sind Wissenschaftler einem beunruhigenden Umweltphänomen auf die Spur gekommen. Aus der Tiefe des Meeres steigen Methanblasen auf. Das Treibhausgas, 20-mal stärker als Kohlendioxid, stammt aus dem Meeresboden, wo es normalerweise in gefrorener Form als sogenanntes Gashydrat gebunden ist. Durch die globale Erwärmung beginnt der bislang gefrorene arktische Meeresboden offenbar so stark zu tauen, dass das Treibhausgas in großem Umfang freigesetzt wird.

Das deutsch-britische Forschungsteam erkundete den Meeresboden vor der norwegischen Inselgruppe mit einem hochempfindlichen Sonar. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt „Geophysical Research Letters“ berichten, stießen sie auf mehr als 250 Stellen, in denen die Methanblasen aus Tiefen zwischen 150 und 400 Meter wie in einem Schlot nach oben stiegen.

„Wir waren überrascht, dass diese Methanquellen bislang nicht entdeckt worden sind“ so Tim Minshull vom Zentrum für Oceanography in Southampton im Gespräch mit der BBC. „Allerdings muss man auch wissen, wonach man sucht, denn die einzelnen Schlote haben nur einen Durchmesser von 50 bis maximal 100 Meter.“ Die von den Wissenschaftlern erkundete Region gehört zu den am stärksten von der globalen Erwärmung betroffenen Gebieten der Erde. Allein in den vergangenen 30 Jahren erhöhte sich die durchschnittliche Meerestemperatur hier um ein Grad Celsius.

Der größte Teil des aufsteigenden Methans wird offenbar im Wasser gebunden. Die Wissenschaftler konnten keine Hinweise dafür entdecken, dass das Treibhausgas die Wasseroberfläche erreicht und in die Atmosphäre gelangt. Allerdings betonen sie, dass dies an anderen, bislang nicht entdeckten Methanschloten durchaus der Fall sein könnte. Im vergangenen Jahr hatte ein russisch-schwedisches Forschungsteam vor der Küste Sibiriens Methanblasen nachgewiesen, die bis an die Wasseroberfläche aufgestiegen waren.

„Wenn dieser Prozess die gesamten arktischen Gewässer erfasst, könnten Dutzende Megatonnen Methan pro Jahr in den Ozean gelangen“, so Graham Westbrook, einer der an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler. Im kommenden Jahr wollen die Forscher das Gebiet erneut untersuchen und dabei ihr Augenmerk vor allem auf die Methanvorkommen richten, die noch als Gashydrat gebunden im Boden lagern.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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