Kohlekraftwerke
Konzerne in der Klemme

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DÜSSELDORF. Der Zeitpunkt war gut gewählt: Am vergangenen Samstag demonstrierten Gruppen der Umweltschutzorganisation Greenpeace in 31 deutschen Städten gegen den geplanten Bau von Kohlekraftwerken. Am Sonntag entschieden sich die Bürger im saarländischen Ensdorf gegen ein Großprojekt von RWE.

Bei dem Bürgerentscheid sprachen sich 70 Prozent gegen eine Änderung des benötigten Flächennutzungsplanes aus. RWE gab daraufhin bekannt, das geplante 1 600 Megawatt starke Steinkohlekraftwerk, das rund 2,2 Mrd. Euro kosten sollte, nicht zu bauen.

Ensdorf ist aber kein Einzelfall. Vattenfall Europe erhielt zwar vor zwei Wochen die Freigabe für ein 1 600 Megawatt starkes Steinkohlekraftwerk in Moorburg bei Hamburg - allerdings nur gegen teure Zugeständnisse: Das Unternehmen muss 120 Mill. Euro in zusätzliche Umweltschutzmaßnahmen investieren. In Krefeld kämpft das Stadtwerke-Netzwerk Trianel mit seinen Plänen für eine Steinkohleanlage seit Monaten gegen heftigen Widerstand im Stadtrat. Und auch Branchenführer Eon spürt bei Großprojekten Gegenwind.

Bürgerinitiativen vor Ort machen gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz und Greenpeace Stimmung gegen die vermeintlichen Klimakiller: Durch die geplanten Kohlekraftwerke würde die Atmosphäre mit zusätzlichen 140 Mill. Tonnen Kohlendioxid pro Jahr belastet, rechnet Greenpeace vor. Sie seien überdimensioniert und hätten schlechte Wirkungsgrade, das heißt sie setzen den Brennstoff nur zu geringen Prozentsätzen in Strom um.

Das weist die Branche entschieden zurück. Die Versorger werben explizit damit, dass durch die neuen Anlagen alte, weniger effektive ersetzt werden. Ensdorf, beispielsweise, sollte einen Wirkungsgrad von 46 Prozent haben - viele der Anlagen, die derzeit noch in Betrieb sind, kommen gerade mal auf etwas über 30 Prozent. Nach der RWE-Rechnung hätte sich der CO2-Ausstoß deshalb gegenüber herkömmlicher Technik um rund 2,5 Mill. Tonnen verringert. Eon plant bereits eine Anlage mit einem Wirkungsgrad von über 50 Prozent und alle Unternehmen forschen eifrig an der Abtrennung und Speicherung des klimaschädlichen CO2.

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