Korallenriffe bedroht Gefährdeter Milliarden-Schatz

Zwölf Jahre nach der bislang schlimmsten Korallenbleiche melden Forscher wieder alarmierende Befunde: Weltweit sind die Korallen wegen hoher Wassertemperaturen unter enormem Stress. Damit ist nicht nur ein wichtiger Lebensraum für Meerestiere gefährdet, die Riffe stellen auch einen enormen Wirtschaftsfaktor dar.
  • Christiane Oelrich
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Die Korallenbleiche gefährdet die Kinderstube vieler Fische. Quelle: dpa

Die Korallenbleiche gefährdet die Kinderstube vieler Fische.

(Foto: dpa)

SINGAPUR. Erschreckende Bilder aus dem Meer alarmieren Korallenforscher: bis zu 90 Prozent ausgeblichene Korallenbänke in den Gewässern Thailands, bleiche Riffe vor der Küste Sumatras und jetzt auch in der Karibik. Die hohen Wassertemperaturen der vergangenen Monate sind die Ursache. Bleiche Korallen sind anfällig für Krankheiten und drohen abzusterben. Das hätte verheerende Folgen, weil die Korallenbänke vielen Fischarten als Kinderstube dienen.

„Korallen leben in Symbiose mit bestimmten Algen. Die Korallen halten die Algen wie Gefangene und zwingen sie, Zucker zu produzieren“, sagt Clive Wilkinson vom Zentrum für Riff- und Regenwaldforschung in Townsville in Australien. „Wenn die Wassertemperaturen zu hoch sind, werden die Algen giftig. Dann spucken die Korallen sie praktisch aus. Die Korallen leben zwar noch, aber es fehlt ihnen der Zucker, sie werden anfällig für Krankheiten, haben keine Energie zum Laichen und sterben ab.“ Die Algen sorgen auch für die leuchtenden Korallenfarben. Ohne Algen sind sie blass.

Wilkinson leitet ein Institut, das den Zustand der Korallen weltweit regelmäßig ermittelt – das Global Coral Reef Monitoring Network (GCRMN). Er ist alarmiert. „Das könnte so schlimm werden wie 1998“, sagt er. Damals gingen 16 Prozent der Korallen weltweit verloren. In diesem Jahr lagen die Temperaturen wieder deutlich und vor allem über Wochen hinweg über dem Durchschnitt.

„Das hat in Südostasien zu extrem schwerer Bleiche geführt“, sagte Mark Eakin, Direktor des Korallenprogramms der US-Ozeanbehörde NOAA Anfang September in einem Vortrag. „Es war schwer, dort überhaupt noch Korallen zu finden, die nicht geblichen sind.“ Weltweit gesehen war es von Januar bis August dieses Jahres genauso heiß wie im Rekordjahr 1998 - 0,67 Grad über dem Mittel des 20. Jahrhunderts.

Noch Schlimmeres befürchtet er jetzt für die Karibik: „Da ist die Situation richtig ernst“, sagte Eakin. „Nur ein paar schwere Stürme könnten noch dafür sorgen, dass unsere düstere Vorhersage nicht eintrifft.“ Hurrikans kühlen das Wasser ab. Das Barrier Reef in Australien ist mit dem dort bevorstehenden Sommer auch in der Gefahrenzone. „Wir haben aber in diesem Jahr viel Regen und rechnen mit Zyklonen“, sagt Wilkinson.

500 Millionen Menschen sind auf die Korallenriffe ganz oder teilweise angewiesen – weil sie auf Atollen leben, Fische fangen, die an den Riffen aufwachsen oder vom Tauch-Tourismus leben. Als Wirtschaftsfaktor sind Korallenriffe nach Schätzung der NOAA jedes Jahr rund 375 Milliarden Dollar wert – wegen des Fisches, der an Korallenbänken lebt und wächst, als natürlicher Küstenschutz und für den Tourismus.

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