Kraftwerkslücke befürchtet
Energiebranche sorgt sich um Stromproduktion

Die deutsche Energiebranche sorgt sich um die notwendige Modernisierung der Stromproduktion. In einer aktuellen Umfrage unter Energiemanagern wird der Kraftwerksbau als drängendstes Problem genannt. Viele Experten rechnen mit einer Kraftwerkslücke hierzulande.
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BERLIN. In einer Umfrage auf der Handelsblatt Energietagung in Berlin bezeichneten die meisten Energiemanager Probleme beim Kraftwerksbau als drängendstes Problem. 42 Prozent forderten von der Politik Unterstützung für Kraftwerksprojekte. An zweiter Stelle folgte mit 36 Prozent der Ausbau der Strom- und Gasnetze. Trotz der Finanzkrise forderten dagegen weniger als fünf Prozent von der Politik Unterstützung bei Infrastrukturinvestitionen.

Das Marktforschungsunternehmen Trendresearch hat die über 1 000 hochrangigen Teilnehmer des Branchentreffs zu mehreren aktuellen Themen per TED abstimmen lassen. Die deutliche Mehrzahl von ihnen nahm jeweils an der elektronischen Adhoc-Umfrage teil.

Deutschland steht bei der Stromerzeugung vor großen Herausforderungen. Bis 2020 sind eine Vielzahl neuer Kraftwerke nötig, weil zum einen alte Kohleanlagen wegen des Klimaschutzes ersetzt werden müssen, zum anderen der politisch gewollte Ausstieg aus der Kernkraft kompensiert werden muss. Die Branche klagt aber über die Rahmenbedingungen. So seien wegen der scharfen Klimaschutzauflagen selbst effiziente Kohleanlagen unrentabel, heißt es. Ab 2013 müssen die Versorger alle Zertifikate, die sie zum Ausstoß des klimaschädlichen CO2 benötigen, in einere Auktion erwerben. Gleichzeitig hat die weltweit hohe Nachfrage nach Kraftwerken die Preise in die Höhe getrieben, während vor allem Stadtwerke durch die Finanzkrise in Probleme geraten.

Nach Auffassung von 46 Prozent der Befragten gefährden staatliche Eingriffe zunehmend eine langfristig kostengünstige Erzeugung. 31 Prozent der Befragten rechnet sogar mit einer Kraftwerkslücke – zu geringen Kapazitäten, welche die Nachfrage nicht mehr decken können.

Für 36 Prozent ist die größte Gefahr für einen ausgeglichen Energiemix, der eine sichere, günstige und umweltfreundliche Stromproduktion garantiert, der Verzicht auf die Kernkraft. Die Hälfte der TED-Teilnehmer forderte, die Ziele einer sicheren, kostengünstigen und umweltverträglichen Energieversorgung gleichrangig zu verfolgen. Knapp ein Viertel würde dagegen dem Klimaschutz Vorrang geben – auch wenn dies durch höhere Kosten erkauft werden müsste. Fast genauso viele würden dagegen den Schwerpunkt im Zweifel eher auf Kosten und Versorgungssicherheit legen und den Klimaschutz hinten anstellen.

Der Chef der RWE-Kraftwerkssparte RWE Power, Johannes Lambertz, kündigte am Rande der Tagung an, dass sein Unternehmen zwar seine bereits gestarteten Projekte zu Ende bringe. Wegen der Klimaschutzauflagen wolle der Konzern aber vorerst in Westeuropa keine weiteren Kohlekraftwerke in Angriff nehmen.

Diese Projekte würden aufgeschoben, bis die Kosten für den CO2-Handel durch einen höheren Strompreis wieder ausgeglichen werden könnten, sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Dow Jones.

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