Landhebung in Schweden und Finnland Wo Land und Meer im Wettlauf steigen

Weltweit fürchten sich Küstenorte vor steigenden Meeresspiegeln. Nur in Schweden und Finnland bereiten Meer und Land ganz andere Probleme.
1 Kommentar
In Finnland und Schweden hebt sich das Land millimeterweise aus dem Wasser. Quelle: dpa
Schäreninsel vor Stockholm

In Finnland und Schweden hebt sich das Land millimeterweise aus dem Wasser.

(Foto: dpa)

Luleå/HelsinkiDie Gletscher Grönlands schmelzen dahin – man sollte meinen, den Menschen im Norden mache das Sorgen. Steigende Meeresspiegel müssten die Küstenorte hier bald genauso bedrohen wie auf den Fidschi-Inseln. Oder?

„Wir sind hier ziemlich sicher“, meint der finnische Geodäsie-Professor Martin Vermeer. Denn in Schweden und Finnland liefert sich die Natur ein Rennen: Das Wasser steigt, doch das Land steigt auch – und zwar schneller. „Wir fliehen vor dem steigenden Meer, indem wir uns selbst anheben“, scherzt Vermeer.

Tatsächlich wächst das Land in Finnland und Schweden millimeterweise aus dem Wasser. Das Phänomen ist ein Relikt aus der Eiszeit. Als vor mehr als 10.000 Jahren die riesigen Eispanzer über Nordeuropa zu schmelzen begannen, ließ der Druck auf die Landmasse nach. In jahrhundertelanger Zeitlupe kommt sie seitdem hoch.

Wo das Meer die Arktis frisst
Arktische Permafrost-Küste
1 von 12

34 Prozent der Küsten weltweit sind Permafrost-Küsten. Das heißt, der Boden enthält jede Menge gefrorenes Wasser, das die eingelagerten Sedimente wie Zement zusammenhält. Doch in Zeiten des globalen Klimawandels wird dieser Zement brüchig. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
2 von 12

In den vergangenen Jahren hat sich das Auftauen der Permafrost-Küsten so stark beschleunigt, dass sich das Meer in manchen Regionen über 20 Meter pro Jahr ins Land frisst. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung haben das Phänomen auf der nordkanadischen Permafrost-Insel Herschel Island untersucht und dokumentiert. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Erodierende Steilküste auf Herschel Island
3 von 12

„Herschel Island verliert pro Jahr bis zu 22 Meter seiner Steilküste. Der aufgetaute Permafrostboden rutscht dann in Form von Schlammlawinen ins Meer und trübt die umgebenden Flachwasserbereiche so großflächig ein, dass die braun-grauen Sedimentfahnen viele Kilometer weit ins Meer hineinreichen“, erläutert AWI-Forscher Michael Fritz. (Foto: AWI/Michael Krautblatter)

An der Küste von Herschel Island
4 von 12

Taut der Permafrost auf, lösen sich die zuvor im Eis eingeschlossenen Sedimente, Tier- und Pflanzenreste und werden von den Wellen ausgewaschen. Bei diesem Vorgang werden nicht nur die klimarelevanten Treibhausgase Kohlendioxid und Methan freigesetzt. Das erodierte Material enthält auch jede Menge Nähr- und Schadstoffe wie Stickstoff, Phosphor oder Quecksilber. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Satellitenbild von Herschel Island mit gut sichtbaren Sedimentfahnen vor der Küste
5 von 12

Diese Stoffe gelangen ins Meer, werden dort weiter transportiert, abgebaut oder angereichert und verändern nachhaltig die Lebensbedingungen im Flachwasserbereich. „Die Folgen für das Nahrungsnetz können wir bisher nur erahnen“, sagt Michael Fritz. (Foto: NASA Worldview)

Erodierende Steilküste der Herschel Insel
6 von 12

Wie sich die Biogeochemie der Küstenzone im Zuge der zunehmenden Erosion verändert und welche Konsequenzen dies für die Ökosysteme, für wichtige Fischgründe und somit am Ende auch für die Menschen in der Arktis hat, ist tatsächlich bislang noch kaum untersucht worden. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Forschungsarbeit an der Küste von Herschel Island
7 von 12

Vor allem logistische Probleme haben bislang eine genauere Erforschung des Phänomens verhindert. Viele der arktischen Küsten- und Flachwasserzonen sind weder per Auto oder Flugzeug noch mit großen Eisbrechern zu erreichen. (Foto: AWI/Jaroslav Obu)

Am stärksten ist das Phänomen im Bottnischen Meerbusen, dem nördlichen Ausläufer der Ostsee zwischen Schweden und Finnland. Nach Daten des Permanent Service of Mean Sea Level (PSMSL), die das gemeinnützige Recherchezentrum „Correctiv“ zusammengestellt hat, steigt das Land dort bis zu sieben Millimeter im Jahr.

Im schwedischen Ratan veränderte sich der Meeresspiegel seit Beginn der Messungen 1892 um fast einen Meter. Allein in den vergangenen 30 Jahren hob sich das Land hier um mehr als 22 Zentimeter an.

Den Unterschied kann man mit bloßem Auge sehen, wenn man alte Fotos vergleicht. Oder wenn man hinausfährt zum Stein von Anders Celsius an der Küste der Insel Lövgrund. Hier markierte der für seine Temperaturskala weltberühmte Physiker 1731 den Wasserstand an einem Felsbrocken, auf dem sich früher Seehunde sonnten. Inzwischen, so zeigt Wissenschaftler Martin Ekman, ragt dieser Stein so weit aus dem Wasser, dass kein Seehund mehr hinaufkäme.

Nach Angaben des Schwedischen Meteorologischen und Hydrologischen Instituts (SMHI) hat sich die Küstenlinie dort um bis zu 300 Meter verschoben. Finnland bekomme jedes Jahr 700 Hektar Land dazu, sagt Vermeer. „Aber das ist ein sehr schmaler und sehr langer Streifen, mit dem man nicht viel anfangen kann.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Die Landanhebung sorgt für Probleme in den Häfen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

1 Kommentar zu "Landhebung in Schweden und Finnland: Wo Land und Meer im Wettlauf steigen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Land hebt sich und Land versinkt. Dies ist teils der Geologie und den Verschiebungen der Kontinentalplatten geschuldet, aber auch den Auswirkungen der vergangenen Eiszeiten. Soweit bekannt steigt der Meeresspiegel generell um 1 - 3mm/Jahr. Dies ist eine Auswirkung der letzten Eiszeit.

    Ärgerlich ist die Vermengung interessanten Wissens mit der Öko-Weltuntergangskatastrophe vom "Klimawandel".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%