Landwirtschaft
Kunststoff aus Stroh

Die Agrarwirtschaft befindet sich in einem gewaltigen Umbruch: Bauern sollen neben Nahrungsmitteln auch Rohstoffe für Industrie und Energieversorgung herstellen. Werden nun die Lebensmittel knapp?
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Andreas Steinheber junior hat bisher keine Probleme, sein Stroh loszuwerden. Der 41-jährige Landwirt baut auf seinem 150 Hektar großen Hof in Oberostendorf im Allgäu Mais, Gerste und Weizen für seine 130 Mastbullen an. Das Stroh verwertet er zu 60 Prozent selbst als Einstreu für die Tiere. Den Rest verkauft er für 14 bis 20 Euro in 200-Kilogramm-Ballen an andere Tierhalter. Doch nun hat er von einer ganz neuen Verwendungsmöglichkeit gehört. Die Süd-Chemie aus München baut in Straubing gerade eine Bioraffinerie. Dort soll Stroh künftig zu Biotreibstoff werden. Die Idee findet Steinheber gut: "Je nachdem, was die bezahlen, kann das ganz interessant werden."

Die Agrarwirtschaft befindet sich in einem gewaltigen Umbruch: Die Landwirte der Zukunft müssen nicht nur Nahrungsmittel liefern, sondern immer öfter auch Rohstoffe für die Industrie. Aus ihren Produkten wird dann Biosprit, der mittlerweile sogar von Fluggesellschaften eingesetzt wird, oder nachwachsendes Biorohöl, aus dem Kunststoffe hergestellt werden.

Landwirte erhalten dadurch eine Schlüsselfunktion in der grünen Wirtschaft der Zukunft. Zusammen mit Biotechnologen feilen sie an der Natur, bis sie den neuen Anforderungen entspricht und sogar Rohstoffe für Dinge liefert, die bisher auf Basis von Erdöl hergestellt werden: Energie und Treibstoff, Fasern für Dämmstoffe, Kleber, Kunststoffe und sogar die chemischen Grundbausteine für Medikamente. Die Bioökonomie, wie Experten die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Wissenschaft nennen, soll ein neues Zeitalter des Wirtschaftens einläuten: vollbiologisch, klimafreundlich und an den Stoffkreisläufen der Natur orientiert.

Deutschland wird dabei eine entscheidende Rolle spielen, hoffen Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner und Bundesforschungsministerin Annette Schavan. Gemeinsam haben sie ein 2,4 Milliarden Euro schweres Förderprogramm "Bioökonomie 2030" vorgestellt. "Deutschland hat in der Agrarforschung und in der Biotechnik Hervorragendes zu bieten, das müssen wir nutzen", sagt Schavan.

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  • Heiße Luft und bauernfang

    Von Agrosprit und Kunststoffen aus Stroh und anderen "Abfällen" phantasieren Politik und Wirtschaft schon seit Jahren. Fakt ist: bis heute werden 99,9% davon aus Nahrungsmitteln hergestellt, d.h. aus Mais, Weizen, Zuckerrohr sowie Palm-, Raps-, Sojaöl usw.

    Die 2000 Tonnen "bio"ethanol aus Stroh aus der geplanten Raffinerie sind nichts im Vergleich zu den 170.000 Tonnen Ethanolimporten aus brasilianischem Zuckerrohr, oder dem jährlichen Verbrauch von Ottokraftstoff in Deutschland von 20 Millionen Tonnen.

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