Landwirtschaft
Vieh statt Mais in Afrika

Eine Studie über die Zukunft der Landwirtschaft in trockenen Regionen zeigt: Viehzucht könnte für afrikanische Bauern attraktiver werden. Warum Wissenschaftler jetzt für einen Umbruch in der Landwirtschaft plädieren.
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DÜSSELDORF. Viehzucht könnte den Bauern Afrikas künftig eine bessere Perspektive bieten als der Anbau von Grundnahrungsmitteln. Wie das "International Livestock Research Institute" (ILRI) in Nairobi (Kenia) in einer Studie in der Fachzeitschrift "Environmental Science and Policy" feststellt, könnten als Folge des zu erwartenden Klimawandels bis zum Jahr 2050 bis zu eine Million Quadratkilometer Anbaufläche für Nahrungsmittel zu trocken werden. In diesen Randzonen, die derzeit von 20 bis 35 Millionen Menschen besiedelt sind, wird es aber auch unter Annahme gestiegener Temperaturen weiter möglich sein, Vieh zu halten.

Die Studie trifft zusammen mit einer Klimawandel-Konferenz der Vereinten Nationen in Bonn. Laut einer neuen Studie des Global Humanitarian Forums, die dort vorgestellt wurde, bringt der Klimawandel schon heute jährlich 300 000 Menschen vor allem in ärmeren Ländern den Tod. Wissenschaftler diskutieren in Bonn, welche Anpassungsstrategien der Weltklimagipfel in Kopenhagen im Dezember den armen Weltregionen bieten könnte.

"Vieh, und zwar besonders Tiere, die bekanntermaßen duldsam gegen Hitze und Trockenheit sind, kann unter viel strengeren Bedingungen überleben als Kulturpflanzen", sagt Philip Thornton, einer der Autoren der Studie. "Viehwirtschaft könnte für arme Haushalte ein Puffer sein gegen das Risiko des Klimawandels und ihnen ermöglichen, von der steigenden Nachfrage nach Tierprodukten in Afrika zu profitieren."

Die Forscher konzentrierten sich auf landwirtschaftliche Regionen Afrikas, die am verwundbarsten gegen den Klimawandel sind: Gebiete im Westen, Osten und Süden Afrikas, wo ausbleibende Regenfälle schon jetzt jede sechste Ernte zerstören, und in denen unter Annahme zweier Projektionsmodelle für das Klima künftig wohl nur 90 Tage im Jahr für den Anbau geeignet sein werden. Je nach Ausmaß der CO2-Emissionen wird das den Forschern zufolge für eine halbe bis eine Million Quadratkilometer zutreffen - das ist eine Fläche, die dreimal so groß ist wie Deutschland. In den nur 90 Tagen jährlich ist es zum Beispiel nicht mehr sinnvoll, Mais anzupflanzen. Selbst für die genügsamere Hirse wird es dann kritisch. Afrikanische Weidetiere, vor allem Rinder, dagegen können auch unter diesen Bedingungen überleben. Der Verkauf ihres Fleisches und der Milch könnte für die Bauern im Umkreis von Städten zunehmend zu einer attraktiven Einkommensquelle werden.

Thornton und seine Kollegen weisen zwar auf die Schwierigkeiten hin, Klimawandelfolgen für spezifische Gebiete Afrikas genau vorherzusagen. Die Datengrundlage sei schwach. Aber auch genauere Daten würden zeigen, was viele noch nicht wahrhaben wollen: dass in manchen Teilen Afrikas, wo die Bedingungen schon jetzt schlecht sind, viele Bauern sich nicht an die Erwärmung anpassen werden können. Der Ausstieg aus der Landwirtschaft wird für viele unvermeidbar sein.

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