Lange Warmphase: Klimawandel wird in Nord- und Ostsee erkennbar

Lange Warmphase
Klimawandel wird in Nord- und Ostsee erkennbar

Wissenschaftler aus Hamburg und Schleswig-Holstein haben in Nord- und Ostsee deutliche Hinweise für den Klimawandel gefunden: Höhere Temperaturen verändern zunehmend das Artenspektrum unter Wasser. Und es gibt weitere Anzeichen.
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dpa HAMBURG/GEESTHACHT. Nach Messungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) setzt sich die seit 1987 dauernde Warmphase in Nord- und Ostsee weiter fort. Experten des GKSS Forschungszentrums Geesthacht präsentieren zudem einen statistischen Beleg dafür, dass die weltweite Häufung überdurchschnittlich warmer Jahre nach 1990 kein Zufall ist.

Der seit Jahrhunderten vorherrschende, acht bis zwölf Jahre dauernde Zyklus von Kalt- und Warmphasen in Nord- und Ostsee sei inzwischen weit überschritten, sagte die BSH-Präsidentin Monika Breuch-Moritz am Donnerstag in Hamburg. Die Oberflächentemperatur in der Nordsee habe ganzjährig um 0,5 Grad Celsius über dem langjährigen Mittelwert gelegen, ebenso in der westlichen Ostsee. In tieferen Wasserschichten waren es sogar zwei Grad mehr. „Die veränderten Temperaturbedingungen wirken sich zunehmend auf das Artenspektrum bei Tieren und Pflanzen aus“, heißt es in der Jahresbilanz des BSH.

Auch die Eislage des Winters 2007/2008 in der Ostsee passe in das Bild. Er sei der eisärmste Winter seit 1720 gewesen. „Nicht nur die Ausdehnung war ungewöhnlich gering, auch die Eisdicke lag unter den üblichen Werten. Er übertraf damit alle bisherigen milden Winter im Ostseeraum.“ Auch im Nordatlantik bestätigten sich die Beobachtungen aus Nord- und Ostsee. In den oberen 500 Metern habe sich die Temperatur seit 1998 um 0,5 Prozent erhöht.

Wissenschaftler um den Geesthachter Klimaforscher Hans von Storch untersuchten die weltweite Häufigkeit überdurchschnittlich warmer Jahre zwischen 1880 und 2006. Dass die 13 wärmsten Jahre seit 1880 zufällig nach 1990 stattgefunden hätten, besitze einer Wahrscheinlichkeit von nicht mehr als 1:10 000, berichtete von Storch. Das entspreche der Wahrscheinlichkeit, beim Glücksspiel „Kopf oder Zahl“ 14 mal hintereinander nur Kopf oder nur Zahl zu werfen.

Zwischen 1880 und 2006 lag die durchschnittliche globale Jahrestemperatur bei 15 Grad Celsius. In den Jahren nach 1990 häuften sich Jahre, in denen dieser Mittelwert überschritten wurde, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift „Geophysical Research Letters“. „Um das Klimasystem und seine Wechselwirkungen zwischen Ozean, Land Atmosphäre und menschlicher Aktivität zu verstehen und statistisch zu analysieren, reicht der Vergleich mit einem Glücksspiel jedoch nicht mehr aus“, sagte der GKSS-Wissenschaftler Eduardo Zorita.

Die Studie sei rein statistischer Natur und könne die Zunahme der warmen Jahre nicht einzelnen Faktoren zuschreiben. „Sie steht aber in vollem Einklang mit den Ergebnissen des Weltklimarats IPCC, wonach der verstärkte Ausstoß von Treibhausgasen zu einem Großteil für die jüngste globale Erwärmung verantwortlich ist“, sagte Zorita.

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