Leben auf dem Ozean
Schwimmende Städte

Die Ozeane werden heute gerne als „Last Frontier“, als letzter noch weitgehend unbekannter Lebensraum bezeichnet. Gemeint ist hier vor allem „unerforscht“. Doch ein paar kreative Köpfe verfolgen den Frontier-Gedanken durchaus auch in jenem Sinne, wie einst die Siedler in Nordamerika: Der Ozean ist für sie Wildnis, die man dauerhaft für Menschen bewohnbar machen kann.

BERLIN. Für ein paar nicht ganz arme Leute ist das Leben in einer Stadt auf dem Meer heute schon Realität. Zum Preis von zwei bis sechs Millionen Dollar sind auf The World Appartments zu haben. Die schwimmende Stadt mit dem unbescheidenen Namen sieht von außen nicht anders aus als ein Kreuzfahrtschiff. Doch die Passagiere wohnen dort dauerhaft, inklusive Steuervorteilen und im Grunde ohne regierende Staatsgewalt.

Leute wie Patri Friedman, früher Ingenieur bei Google, und sein wichtigster Geldgeber, PayPal-Gründer Peter Thiel, sehen tatsächlich die technologischen und logistischen Herauforderungen eines Lebens auf hoher See eher als Nebensache an. Ihr See-Reich gibt es, anders als „The World“, erst als Idee. Doch die ist groß. Dem Fernsehsender CNN sagte Friedman im März, seinem Seasteading Insitute gehe es vor allem darum, „ein System zu schaffen, das ermutigt, mit verschiedenen politischen Systemen zu experimentieren“.

Denn auf hoher See gibt es nicht nur räumlich viel Raum, sondern auch juristisch, es gibt nicht nur (bisher) keine Baumärkte und Bäckerläden, sondern auch keine Polizeigewalt und im Grunde auch keine nationalen Gesetze. Oder zumindest keine Möglichkeit, sie durchzusetzen. In der Vergangenheit sorgte diese Tatsache schon für einige Diskussionen. So wurden gegen Eigner von Kreuzfahrtschiffen Vorwürfe der Ausbeutung ihrer Crews laut, oder Passagiere oder Crewmitglieder, die Opfer sexueller Gewalt wurden, fanden weder an Bord noch später auf dem Festland Möglichkeiten, gegen die Täter vorzugehen.

Friedman geht es natürlich eher um aus seiner Sicht positive Aspekte jenes gesetzfreien Raumes. So denkt man beim Seasteading Institute etwa darüber nach, weiche Drogen komplett zu legalisieren und geistiges Eigentum zu Volkseigentum zu machen, alles im Sinne eines besonders kreativen Seeklimas. Schwimmen soll jener Freistaat ohne Berge dereinst in internationalen Gewässern westlich von San Francisco.

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