Logbücher als Klimaarchive
Klimaforschung mit Kapitän Ahab

Von den Aufzeichnungen früherer Walfangkapitäne erhoffen sich Wissenschaftler neue Erkenntnisse über den Klimawandel. Die Logbücher sind wertvolle Klimaarchive - doch die zu sichtenden Datenmengen sind gewaltig.

New BedfordIn der Klimaforschung kommen nicht nur Satellitenbilder und hochempfindliche Messgeräte zum Einsatz. Forscher in den USA setzen auf historische Dokumente, um den Klimawandel und Wetterveränderungen in der Arktis besser zu verstehen: Logbücher von Walfangschiffen aus dem 19. Jahrhundert. Auf diesen Schiffen wurde damals präzise Buch geführt über die teilweise langjährigen Reisen.

Die Walfänger hätten auf der ganzen Welt nach ihrer Beute gesucht, erklärt der Marinehistoriker Michael Dyer vom Walfangmuseum in New Bedford im US-Staat Massachusetts. Die Wale lieferten den begehrten Tran, der als Brennstoff genutzt wurde. Das Museum verfügt über zahlreiche Logbücher von damals, in denen täglich die Wetterbedingungen notiert wurden, und liefert den Großteil der Daten für das Projekt.

In den Büchern enthalten sind auch Informationen über das tägliche Leben an Bord, zum Beispiel, ob ein Seemann über Bord fiel oder wegen Diebstahls bestraft werden musste. Natürlich ist auch verzeichnet, ob Wale gesichtet wurden.

Für das Klimaprojekt sind jedoch andere Aufzeichnungen von Bedeutung, wie die präzisen Längen- und Breitengrade, die Wetterbedingungen, die Sichtung von Eisbergen oder des Schelfeises, Eisplatten, die auf dem Meer schwimmen. „Wenn sie durch die Beringstraße gefahren sind, wird sich in dem Logbuch eine Notiz finden, dass es dort Eisfelder gab“, erklärt Dyer.

Digitalisierte Logbücher im Internet

Das Projekt mit dem Titel Old Weather: Whaling wird von der US-Behörde für Wetter und Ozeanographie (NOAA) geleitet. Das Walfangmuseum transkribiert und digitalisiert seine eigenen Logbücher sowie weitere Originalquellen von der Historischen Vereinigung Nantucket, dem Museum auf Martha's Vineyard, Mystic Seaport in Connecticut und der öffentlichen Bibliothek von New Bedford. Die digitalisierten Logbücher werden ins Internet gestellt, damit jeder Interessierte die Wissenschaftler bei ihrer Arbeit mit diesen gewaltigen Datenmengen unterstützen kann.

Das Museum hat rund 2600 Logbücher von Walfangschiffen in seinem Besitz. Sie stammen aus den Jahren von 1756 bis 1965. Teil des Projekts sind bisher nur rund 300 Logbücher, die bei Fahrten in die Arktis von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts geführt wurden.

Typisch für diese Aufzeichnung ist eine Eintragung in das Logbuch der Beluga. Der Walfänger mit Heimathafen San Francisco fuhr ab 1897 zwei Jahre lang durch die Beringsee, die Tschuktschensee  und die Beaufortsee. „Lat 61.19. Lon 175.42.“, werden darin die geografischen Koordinaten angegeben. „Um 06.00 Segel gesetzt und nach Nordost gefahren. Ab 08.45 mit Dampf gefahren. Weiter bis 13.00, dann auf offenes Wasser gestoßen....Steuern von NNW nach NO wie das Eis es erlaubt. Erst leichter Wind, später teilweise starker Wind von OSO und Schnee.“ Es folgen genaue Einträge zu Temperatur und Luftdruck.

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Ein virtueller, zeitreisender Wettersatellit

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