London Array
Eon baut weltgrößten Hochsee-Windpark

Der Energiekonzern Eon baut den größten Hochsee-Windpark der Welt und etabliert sich damit als führende Kraft in der Offshore-Windenergie. Die Anlage in der Themsemündung nahe London soll erstmals eine Leistung von einem Gigawatt erreichen. Die Turbinen kommen aus Deutschland.
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LONDON. Der Energiekonzern Eon etabliert sich als führende Kraft in der Offshore-Windenergie. Am Dienstag gab der Konzern den Startschuss für den größten Windpark auf dem Meer. Das London Array in der Themsemündung wird in der ersten Ausbaustufe mit 175 Turbinen eine Leistung von 630 Megawatt erreichen. Im Endausbau soll die Anlage als erste ihrer Art eine Leistung von einem Gigawatt erreichen. Für den Turbinenlieferanten Siemens hat der Auftrag nach Angaben aus Konzernkreisen ein Volumen von rund einer Milliarde Euro. Insgesamt soll das Projekt, an dem Eon zu 30 Prozent beteiligt ist, 2,2 Mrd. Euro kosten.

"London Array ist ein bedeutender Meilenstein in unserer ehrgeizigen Strategie, erneuerbare Energie-Projekte im industriellen Maßstab zu realisieren", sagte Eon-Chef Wulf Bernotat. Bisher hat Eon Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 2,3 Gigawatt in Betrieb, davon 100 Megawatt offshore. "Wir arbeiten uns nach und nach zu immer größeren Projekten vor und sind dabei auf einer steilen Lernkurve", sagte Frank Mastiaux, Chef der Eon-Sparte Klimaschutz und erneuerbare Energien. Offshore-Anlagen mit 470 Megawatt seien derzeit im Bau und 3,9 Gigawatt in der Entwicklung, darunter das Londoner Projekt. Insgesamt arbeite Eon daran, die Windkraftleistung auf 14 Gigawatt zu steigern.

Das London-Array-Projekt ist seit 2001 im Gespräch. Es soll 750 000 Haushalte in London mit Strom versorgen. Vier Jahre lang sammelten die Projektpartner Messdaten, um die Eignung des Standortes im fünf bis 23 Meter tiefen Wasser rund 20 Kilometer vor der Küste zu prüfen. Vor einem Jahr geriet das Projekt in die Krise, als der Ölkonzern Royal Dutch Shell als Partner ausstieg. Er begründete dies mit den rapide steigenden Preisen für Material und Dienstleistungen. Eon und der dänische Windkraftspezialist Dong übernahmen Shells Anteile, doch Eon hat inzwischen 20 Prozent an die staatliche Investmentfirma Masdar aus Abu Dhabi weitergereicht.

Inzwischen sind die Kosten für Material wie Stahl, Kupfer und Aluminium laut Mastiaux um die Hälfte und mehr gesunken und auch die Dienstleistungen günstiger zu haben. Den Ausschlag gab letztlich die britische Regierung, die die Förderung für Offshore-Windkraft verbesserte. "London Array ist ein Flaggschiff-Projekt im Rahmen unserer Bestrebungen, die Emission von Kohlendioxid bis 2050 um 80 Prozent zu senken und den künftigen Energiebedarf zu decken", sagte Premierminister Gordon Brown.

Die technischen Herausforderungen blieben jedoch groß, warnte Mastiaux. Die Anlagen seien vor der Küste einer ganz anderen physikalischen Belastung ausgesetzt als an Land. Durch das London Array werde Eon Erfahrungen sammeln, die beim Bau weiterer Anlagen in noch schwierigerer Umgebung helfen würden.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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