Luftverschmutzung bekämpfen Mit dem Nassstaubsauger gegen miese Stadtluft

Der Kampf gegen Luftverschmutzung wird in vielen Großstädten geführt. Meist geht es um die Reduzierung des Verkehrs, es gibt aber auch andere Ideen.
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Im Kampf gegen die dreckige Luft in Stuttgart setzt die Stadt Reinigungsmaschinen auf der Straße ein. Quelle: dpa
Nassstaubsauger gegen Feinstaub

Im Kampf gegen die dreckige Luft in Stuttgart setzt die Stadt Reinigungsmaschinen auf der Straße ein.

(Foto: dpa)

StuttgartWeniger Autos, zumindest aber weniger Verbrenner auf den Straßen – Deutschlands Städte sind sich einig, dass dies die einfachste Lösung zur Verbesserung der Luft wäre. Fahrverbote scheuen sie allerdings, stattdessen stehen Durchfahrtsverbote, Tempolimits, mehr Carsharing und Radwege oder die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs auf der Agenda.

Daneben gibt es aber auch Ideen, wie man entstandene Schadstoffe wieder aus der Luft holen kann. Etliche stammen von schwäbischen Tüftlern – aus manchen spricht allerdings eher Verzweiflung als Kreativität. Ein Überblick.

Nassstaubsauger

Um Deutschlands schmutzigste Straßenkreuzung, das innenstadtnahe Neckartor in Stuttgart, kurvt seit geraumer Zeit eine spezielle Kehrmaschine. Im Kampf gegen gesundheitsschädlichen Feinstaub werden mit ihr Gehwege und Fahrspuren gespült und abgesaugt.

Das sind die giftigsten Orte der Erde
Shenyang, China
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Seit Jahren versucht China, das Problem Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen. Eine Stadt, in der die Anti-Smog-Strategie nicht zu verfangen scheint, ist Shenyang in der Provinz Liaoning. Im November 2015 machte die Millionenstadt Schlagzeilen mit smogbedingten Sichtweiten unter 100 Metern. Die Konzentration schwebender Partikel mit Durchmessern unter 2,5 Mikrometern lag damals um mehr als das 50-Fache über der als unschädlich geltenden Konzentration. Ursache der Luftverschmutzung sind Kohlekraftwerke und Autoabgase, aber auch Staub aus den sich ausbreitenden Wüsten.

Hazaribagh, Bangladesch
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Auf kaum 25 Hektar Land stehen in Hazaribagh mehr als 90 Prozent aller Gerbereien des Landes. Sie produzieren Lederwaren für den Weltmarkt. Dabei sind Arbeiter und Umwelt beträchtlichen Mengen giftiger Chemikalien ausgesetzt, nicht zuletzt Krebs erregenden Chrom(VI)-Verbindungen.

Das Rohprodukt muss chemisch behandelt werden, um die Hautstruktur zu stabilisieren und das Material elastisch zu machen. Dabei gelangen täglich etwa 22.000 Kubikmeter Abwasser ungefiltert in die Umwelt. Fachleute berichten von erheblichen Gesundheitsproblemen bei den Einwohnern des Ortes durch Chrom, Blei, Sulfide und Kupfer. Die Luft enthält hohe Konzentrationen an Stickoxiden. Nicht weit entfernt von Hazaribagh fließt der Buriganga, wichtigste Trinkwasserquelle der Hauptstadt Dhaka.

Kabwe, Sambia
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Im Jahr 1902 entdeckten Prospektoren nahe der Stadt Kabwe in der damaligen britischen Kolonie Nordrhodesien große Zink- und Bleivorkommen. Wenig später begann der Abbau der wichtigen Metalle, die als Legierungsbestandteile in Batterien und Akkus und für viele andere Anwendungen gebraucht werden.

Heute heißt Nordrhodesien Sambia, und die Mine von Kabwe wurde 1994 stillgelegt. Doch Kabwe trägt weiter schwer am kolonialen Erbe: In Boden, Wasser und Staub findet man bis heute hohe Konzentrationen von Kupfer, Zink und vor allem von Blei. Besonders Letzteres hat gravierende Folgen – das Metall reichert sich im Körper an und verursacht chronische Vergiftungen, die vor allem für Schwangere und Kinder gefährlich sind. Kinder in Kabwe haben sechs- bis zwölfmal so viel Blei im Blut wie Gleichaltrige in den Industrieländern. (Foto: Blacksmith Institute)

Horliwka, Ukraine
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In Horliwka im Osten der Ukraine steht die Ruine einer besonders gefährlichen Fabrik. Bis 2001 produzierten die Angestellten auf dem 167 Hektar großen Gelände den Sprengstoff TNT und das nicht explosive, aber sehr giftige Mononitrochlorbenzol (MNCB), vermutlich für die Produktion chemischer Kampfstoffe.

Als Fachleute zehn Jahre später durch Zufall auf den Ort stießen, fanden sie eine tickende Bombe vor: Verrottete Fässer und Tanks mit 50 Tonnen TNT und über 2300 Tonnen MNCB, die über die Jahre Boden und Wasser verseucht hatten. Bis zum Jahr 2014 gelang es, zumindest die vorhandenen MNCB-Tanks zu leeren und das TNT zu bergen. Dann brach in der Ostukraine der Krieg aus und die Arbeiten wurden eingestellt. Wie viel von den Chemikalien noch in Gebäuden, Boden und Wasser steckt, ist unbekannt. (Foto: Pure Earth)

Agbogbloshie, Ghana
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Westeuropa produziert immense Mengen Elektronikschrott und exportiert allein 215.000 Tonnen des Mülls nach Ghana. Ein beträchtlicher Teil davon landet in Agbogbloshie, einem Stadtteil von Ghanas Hauptstadt Accra – und der zweitgrößten Elektronikschrott-Deponie der Welt. Um das Kupfer aus alten Kabeln und andere Metallteile zu gewinnen, verbrennen die Bewohner die elektronischen Komponenten zusammen mit Styropor, das ebenfalls auf der Deponie landet.

Der entstehende Rauch enthält nicht nur giftige Verbrennungsprodukte wie Furane und Dioxine; auch Schwermetalle der Elektrobauteile lagern sich an die Partikel an und ziehen mit dem Rauch über die Region. Allein die Bleikonzentrationen im Boden reichen bis zum 45-Fachen dessen, was in industrialisierten Ländern als akzeptabler Höchstwert gilt.

Kalimantan, Indonesien
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Gold gilt als edel und unvergänglich – aber bei der Gewinnung des meist fein verteilten Edelmetalls geht ohne hochgiftige Chemikalien überhaupt nichts. Die Konsequenzen davon zeigen sich am deutlichsten in Kalimantan, dem indonesischen Teil Borneos. Dort wird das Edelmetall zum Teil illegal in Handarbeit gewonnen, und zwar mit Hilfe des hochgiftigen Quecksilbers, das man mit dem goldhaltigen Erz verknetet.

Das flüssige Metall bildet mit Gold ein Amalgam und löst es so aus dem Gestein. Anschließend lässt man das Quecksilber einfach verdampfen. Quecksilbervergiftungen verursachen schwere Gesundheitsschäden: von Nierenerkrankungen bis hin zu neurologischen Störungen. Etwa 1000 Tonnen Quecksilber gelangten in Kalimantan nach einer Schätzung von 2013 in die Umwelt – etwa ein Drittel des Ausstoßes der gesamten Menschheit.

Tschernobyl, Ukraine
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Der Begriff „Kernschmelze“ ist keine Metapher. Nach der Nuklearkatastrophe in Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl fanden Arbeiter im Herbst 1986 in einem Dampfkorridor unter dem Reaktor eine erstarrte, hoch radioaktive Masse aus geschmolzenen Bestandteilen des Reaktorkerns, die sich während der Katastrophe durch den Boden des Reaktors brannte und in den Hohlraum lief.

Doch ein beträchtlicher Teil der radioaktiven Abfälle verteilte sich auch in der Umgebung: Rund 190 Tonnen radioaktives Material wie etwa Isotope von Uran und Plutonium, aber auch große Mengen der sehr langlebigen Isotope 137Cs und 90Sr mit Halbwertszeiten von etwa 30 Jahren. Und die Gefahr, dass die restlichen Trümmer des zerstörten Reaktors in die Umwelt gelangen, ist nicht gebannt. Der Klumpen erstarrter Lava unter dem Reaktor dürfte das gefährlichste Stück Abfall sein, das die Menschheit jemals produzierte.

Ein erster Test hatte ergeben, dass diese Art der Straßenreinigung positive Effekte auf die Feinstaubbelastung haben kann, hieß es bei der Stadt. Grobstaub wird weggeschafft, bevor er klein gemahlen als Feinstaub durch die Luft wirbelt. Im Sommer soll feststehen, was das Ganze wirklich bringt.

Kleber

Eine Lösung aus Calcium- und Magnesiumacetat (CMA) ging 2010 als Feinstaubkleber in die Stuttgarter Geschichte ein. Eine Weile lang war man sich sicher, dass diese Lösung, die eigentlich als Taumittel eingesetzt wird, auch in der Lage ist, die feinsten Partikel zu binden und zu Boden zu bringen.

„Das hat nichts gebracht“, sagte der ehemalige Stadtklimatologe Ulrich Reuter heute. Man habe diese Idee nicht weiter verfolgt.

Moos

Versuche mit großen moosbewachsenen Ständern, so genannten City-Trees, etwa gibt es in etlichen deutschen Städten. In Stuttgart wird die Filterwirkung der feingliedrigen Landpflanze wissenschaftlich untersucht. Ergebnisse wurden für das Frühjahr versprochen.

Moose sollen in der Lage sein, Teile des Feinstaubs festzuhalten oder sogar in Pflanzenmasse umzuwandeln. An einer vielbefahrenen vierspurigen Straße unweit des Neckartors steht eine 300 Quadratmeter große, mit Moosen aus Freiburg behangene Metallwand. Fast 560.000 Euro lassen sich Stadt und Land die Erforschung kosten.

Einmal musste ein Drittel des Mooses bereits ausgetauscht werden, weil es abgestorben war. Ende April wird es abgehängt. Dann sollen auch Ergebnisse vorliegen. Der Test sei „ergebnisoffen“ geführt worden, hieß es.

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2 Kommentare zu "Luftverschmutzung bekämpfen: Mit dem Nassstaubsauger gegen miese Stadtluft"

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  • Es geht nicht um die Reduzierung von Verkehr, sondern um die Reduzierung des Autoverkehrs!
    Es ist schon immer wieder merkwürdig, wie sehr viele Verkehr mit dem nicht stadtverträglichen Autoverkehr gleichsetzen. Als gebe es nur das Auto um sich fortzubewegen.
    Trotz Nassstaubsauger bleibt in der Stadt der störende ruhende und fahrende Autoverkehr, der wie viele Städte (Dresden, Wien, Zürich, Kopenhagen und viele holländische Städte) zeigen, durchaus ersetzt werden kann. Unter dem vielen unnötigen Autoverkehr leiden auch diejenigen Autofahrer, die unbedingt in der Stadt fahren müssen, wie Handwerker, Lieferdienste und Pflegedienste.
    Hinzu kommt, dass der stadtverträgliche Verkehr (Radfahrer, Fußgänger und ÖPNV) sehr unter dem überflüssigen Autoverkehr leiden.

  • Das wird funktionieren.
    Ich wische den Boden meines Klos auch immer feucht auf...und danach riecht es besser.

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