Luftverschmutzung
Kaum Kühlung für den Planeten

Helle Schmutzpartikel in der Atmosphäre strahlen Sonnenlicht ins All zurück und wirken so der Erwärmung unseres Planeten entgegen - so die gängige Meinung. Doch offenbar ist dieser Kühleffekt nicht so stark wie bislang angenommen.
  • 0

HEIDELBERG. Die Schmutzpartikel in der Erdatmosphäre kühlen den Planeten weniger stark, als bislang gedacht. Zwar verringern Aerosole wie Schwefeltröpfchen und andere helle Stoffe die Sonneneinstrahlung, weil sie diese ins All reflektieren. Dunkle Partikel wie Ruß heben diesen Effekt jedoch zu einem großen Teil wieder auf, weil sie die ankommende Energie in Wärme umwandeln und speichern.

Man habe diesen Einfluss in der Vergangenheit überschätzt, meint Gunnar Myhre vom Zentrum für internationale Klima- und Umweltforschung in Oslo - zudem sei die Rußmenge in der Atmosphäre in den letzten Jahrzehnten schneller gestiegen als jene hellerer Aerosole. Bislang ging man davon aus, dass die Luftverschmutzung die Einstrahlung von der Sonne um 0,5 Watt pro Quadratmeter mindert und damit die aufheizende Wirkung steigender Kohlendioxidwerte um ein Drittel verringert.

Myhres neue Berechnungen, die auf besseren Satellitendaten sowie Messungen von erdbasierten Sonnenfotometern basieren, zeigen jedoch, dass bestenfalls 0,3 Watt pro Quadratmeter blockiert werden. Insgesamt dürfe man mit nicht mehr als einer zehnprozentigen Kühlwirkung rechnen, so der Geowissenschaftler.

Verglichen mit vorindustriellen Zeiten hat sich der Anteil an absorbierenden Aerosolen wie Ruß versechsfacht, während jener der reflektierenden nur um das Drei- bis Vierfache gestiegen ist. Zum einen hängt dies mit Luftreinhaltungsmaßnahmen in Nordamerika und Europa zusammen, die beispielsweise die hiesigen Schwefelemissionen deutlich verringern konnten. Zum anderen setzen viele Schwellenländer auf Kohle als wichtigsten Energieträger mit den entsprechenden Folgen.

Große Vulkanausbrüche impfen die Atmosphäre allerdings mit großen Mengen an Schwefelpartikeln, die den Planeten zumindest zeitweise effektiv abkühlen. Dies konnte beispielsweise nach dem Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen 1991 beobachtet werden.

Kommentare zu " Luftverschmutzung: Kaum Kühlung für den Planeten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%