Mangelnde Angebote
Versicherer ignorieren Klimawandel

Nicht jeder scheint die aktuelle Klimadiskussion mitzubekommen. Bei Versicherungen findet sich bei ökologierelevanten Themen häufig ein Vakuum, auch Informationen werden meist vergeblich gesucht. Das Umdenken setzt nur langsam ein, doch manche Anbieter haben die Zeichen der Zeit bereits erkannt.

BERLIN. Der Klimawandel fordert von Versicherern ein besseres Risikomanagement und Produktinnovationen, um Verbrauchern und Wirtschaft den Klimaschutz zu erleichtern. „Doch deutsche Finanzmarktakteure stehen den Herausforderungen eher nachlässig und unbedarft gegenüber“, sagt Professor Carlo Jäger vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Erstversicherer hätten zwar nach Stern-Bericht und UN-Weltklimareport das Risiko erkannt. „Bis zu inhaltlich fundierten Strategien ist es noch ein weiter Weg. Es gibt ein gefährliches Missverhältnis zwischen galoppierender Rhetorik, wie wichtig Klimaschutz sei, und der tatsächlichen Praxis.“

Nur einzelne Versicherer steigen kompetent ein, sagt Jäger. „Wenig innovativ zeigt sich die Branche bei der umwelt- und klimaorientierten Produktentwicklung im Sachversicherungsgeschäft“, kritisiert Analyst Dietrich Wild von der Ratingagentur Oekom Research. Versicherungsvergleiche gibt es nicht, auch nicht von der Zeitschrift Ökotest, die das erstaunlicherweise so begründet: „Grundidee bei Versicherungen ist es, Kriterien, die das Risiko mindern oder erhöhen, vertraglich festzulegen. Da spielen Umwelt und Ökologie keine so große Rolle.“

Eine Fehleinschätzung, wie unter anderem Fireman’s Fund Insurance zeigt, eine US-Tochter der Allianz. Als bislang einziger Anbieter versichert er die Risiken ökologisch ausgerichteter Gebäuden und alternativer Energieformen. Prämiennachlässe erhalten vom „Leadership in Energy & Environmental Design Programm (Leed)“ zertifizierte Gebäude – weil ihre Risiken geringer sind, wie Fireman’s erklärt. Eigentümer von Gewerbeimmobilien können im Schadensfall umweltfreundliche Alternativen wählen. Kaputte Einfachverglasungen von Wohnimmobilien können durch Doppelverglasung ersetzt und die Häuser besser gedämmt werden, so dass sie weniger CO² ausstoßen. Warum die Allianz eine solche Versicherung nicht auch in Deutschland anbietet, ließ sie auf Anfrage unbeantwortet.

Die Versicherungskammer Bayern (VKB) unterstützt bei der Wohngebäudeversicherung den Umweltschutz durch ein Ökosiegel. Photovoltaikanlage, Solaranlage und/oder Wärmepumpe werden ohne Mehrbeitrag mitversichert. Wer ein Niedrigenergiehaus baut oder ein Gebäude mit Vollwärmeschutz versieht, erhält einen Energiespar-Nachlass. Es ist möglich, auch Bruch- und Frostschäden an Regenwassersammelanlagen, Verseuchung von Erdreich und die Wiederaufforstung von Bäumen mitzuversichern. Auch die Provinzial Rheinland versichert seit kurzem Solaranlagen mit.

Einige Institute bieten technische Versicherungen für Erneuerbare Energien. Die Basler Versicherungen, die sich hierbei zu den Top-10 in Deutschland zählen, versichert Photovoltaik-, Windkraft-, Biogas- und Biomasseanlagen. Schaden-, Unfall- und Lebensversicherungen sind aber weiterhin „klassisch“ gestrickt. Die Münchener Rück betrat mit einer Versicherung für das Fündigkeitsrisiko bei der Bohrung für eine Geothermieanlage in Unterhaching Neuland. Es fehlen in Deutschland aber noch Erstversicherungsprodukte für Offshore-Windparks und Geothermieanlagen.

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